Dienstag, Februar 17, 2026
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Elixirus – REVIEW | Rezension Brettspiel

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Tränke brauen, Zutaten sammeln und unser Wissen erweitern – das ist das, was wir als Lehrlinge des großen Zauberer Elixirus (dem ich gedanklich immer noch ein weiteres „i“ spendiere und „Elixirius“ nenne) so treiben. 

Allerdings ist Elixirus nicht irgendein Zauberer. Er ist recht anspruchsvoll und verlangt bereits in der Ausbildung von uns eine ganze Menge Planungs-Know-how. Der Weg zum Brau-Diplom ist daher kein Spaziergang…

Carina


Als Lehrlinge des legendären Waldzauberers Elixirus wollen wir in diesem Spiel das Tränkebrauen lernen. Dafür benötigen wir zuerst einmal die richtigen Zutaten, die wir im Wald auftreiben müssen, um dann die Tränke für Vitalität, Liebe, Erholung, Fruchtbarkeit und Heilung nach den entsprechenden Rezeptvorgaben zu brauen.

Über mehrere Runden setzen wir zunächst nacheinander unsere 3 Lehrlingsfiguren auf den Feldern der Waldstücke in der Tischmitte ein. Sobald alle ihre Figuren platziert haben, werden die entsprechend besetzen Felder nacheinander in Pfeilrichtung abgehandelt. Der am weitesten linksstehende Lehrling darf als erstes eine Zutat aus den am Waldstück ausgelegten Zutaten auswählen. Der nächste Lehrling darf sich sogar zwei der übrigen aussuchen und der dritte Lehrling nimmt die letzte ausliegende Zutat. Zusätzlich nutzt er noch den Zusatzeffekt des letzten Feldes. Gesammelte Zutaten werden neben das Tableau gelegt. 

Nach dieser Zutaten-Sammelphase folgt das Brauen der Tränke auf unseren individuellen Brautafeln. In den fünf dort abgebildeten Flaschen haben wir ganz eindeutige Rezeptvorgaben einzuhalten – die Motive oder Farben der dort zu platzierenden Zutaten sind vorgedruckt. Die zuvor eingesammelten Zutaten müssen nun dort platziert werden – immer schön von unten nach oben. Wer eine Flasche komplett füllt, darf diese verkorken und erhält später für den Korken Punkte. Je früher, desto besser. 

Zutaten, die nicht untergebracht werden können, kommen in andere Gefäße: In die Vorratsschüssel darf nur eine Zutat hinein, die später sogar noch verbaut werden kann. In der Giftflasche bleiben die Zutaten bis Spielende liegen und bringen dann Minuspunkte. 

Wer als erstes vier Flaschen fertiggestellt hat, läutet das Spielende ein. Die Runde wird zu Ende gespielt, dann folgt die Auswertung. Alle in Flaschen befindlichen Zutaten bringen den aufgedruckten Punktwert (1-3) ein. Korken bringen 2 oder 5 Punkte. Zusätzlich gibt es Punkte für bestimmte Farben oder Motive, die unser Rezeptbuch vorgibt. Ggf. müssen auch Punkte in Abzug gebracht werden. Minuspunkte gibt es auch für alle Zutaten in der Giftflasche. Wer die meisten Punkte erzielen konnte, gewinnt Elixirus

Brettspiel Regeln

Spielregeln (ext. Link zu Piatnik)


Elixirus ist auf den ersten Blick ein ganz süßes Familienspiel, bei dem man Zutaten sammelt und Tränke braut. Soweit, so bekannt und wenig aufregend. Aber die Aufgaben, die uns Elixirus stellt, sind gar nicht so einfach zu bewältigen, wie man nach dem ersten Regelstudium denken könnte. Vielleicht ist das Spiel auch daher bislang ziemlich unter dem Radar geflogen und weitestgehend unbekannt. Ich würde sagen: Ein Blick lohnt sich aber – schaut es euch mal an, wenn ihr auf der Suche nach Spielen in Familienspielsektor seid! 

Knackiger als gedacht

Der Knackpunkt im Spiel ist die Planung. Das Sammeln der Zutaten muss sorgfältig abgewogen werden. Möchte man am Anfang noch möglichst viele sammeln, weil man noch viele Möglichkeiten hat, Zutaten unterzubringen und damit Flaschen schneller zu füllen, wird es hintenraus eng. Da muss man gut überlegen: Was will ich nehmen? Riskiere ich, dass ich noch eine zusätzliche Zutat aus dem Sack ziehen muss? Wer weiß, was ich da raushole und ich habe jetzt nicht mehr viele Plätze frei, auf denen ich Zutaten unterbringen kann!

Neben der Mengenabwägung kommt dann immer noch die Herausforderung des „Lehrling-Placements“: Will ich unbedingt als erstes wählen und setze mich auf den ersten Platz? Dann bekomme ich aber nur eine Zutat. Oder will ich mehr bekommen, wähle also den zweiten Platz, muss dann aber in Kauf nehmen, dass ich nicht die volle Auswahl haben werde. Alles nicht so einfach…

Lieber mehr, lieber weniger, lieber früher, lieber später?

Der Einsatzmechanismus hat es in sich und man muss genau nachdenken: Im Waldstück, das als erstes abgehandelt wird, sind eventuell nur Zutaten zu bekommen, die ich höchstens als Alternative in Erwägung ziehe. Die Zutaten, die ich ganz dringend brauche, kann ich erst später erhalten, wenn das dritte oder vierte Waldstück abgehandelt wird. Da stehe ich aber nicht auf dem ersten Platz und muss daher die Alternativen bereits frühzeitig in Erwägung ziehen. Im schlechtesten Fall habe ich dann beispielsweise zwei blaue Zutaten, benötige aber nur eine und die andere muss in die Giftflasche, weil ich dafür keinen Platz mehr habe. Wer mutig ist, riskiert Minuspunkte. In jeder Runde und aus jeder Entscheidung ergeben sich Dilemmata, die gar nicht so easy zu lösen sind.

Von links nach rechts oder doch andersrum

Ein wenig verwirrend ist dabei, dass man die Waldstücke nicht von links nach rechts abhandelt, sondern im Uhrzeigersinn von rechts nach links und jeweils in den einzelnen Waldstücken dann doch wieder von links nach rechts. Das ist anfänglich für den einen oder die andere recht kompliziert und ich hätte es auch anders gelöst, da es die Planungs- und Merkarbeit unnötig verkompliziert und Hirnverknotungen erzeugt. Vielleicht ist es aber auch der Kniff, der Elixirus besonders macht…

Erschwerend kommt hinzu, dass die Effekte auf den jeweils dritten Einsatzfeldern auch nochmal einiges durcheinanderwirbeln können… Hier können Zutaten gestohlen oder Lehrlinge auf Plätzen vertauscht werden. Ihr seht schon: Hier gibt es eine ganze Menge zu berücksichtigen. Das sind schöne Denkaufgaben, die es zu lösen gilt, die aber auch Grübelpotenzial bergen und das Spiel in die Länge ziehen können – je mehr Personen mitspielen, desto kritischer kann das werden.

Was kann ich da nochmal machen?

Die Effekte auf den jeweils dritten Einsatzfeldern auf den Waldstücken sind nicht unbedingt selbsterklärend, zumindest nicht in den ersten Partien. Hier hätte man besser eine oder zwei Karten mit einer kurzen Erläuterung bedruckt, so dass man sie auf den Tisch legen kann und nicht immer mitten in der Spielregel nachschlagen muss. Das Nachschlagen ist immer ein wenig hinderlich während einer Partie. 

Die Effekte kommen mehr zum Tragen, je mehr Personen mitspielen, da dann die Felder eher besetzt sind – zu zweit bleiben sie schonmal öfter leer. Mit mehr Personen wirbeln die Effekte das Geschehen mehr durcheinander, führen zu mehr Interaktion und zu mehr Reibung als in kleiner Runde. 

Ein blauer Pilz – ein Königreich für einen blauen Pilz!

Ein bisschen ungerecht kann es auch zugehen, wenn in den Runden bestimmte Farben oder Motive nur ein- oder zweimal ausliegen. Es ist wie verhext, denn es kommt nahezu in jeder Partie vor, dass es darüber Beschwerden gibt. Gut, dass man an mehreren Tränken gleichzeitig arbeitet und alle Personen andere Schwerpunkte auf ihren Brautafeln haben – so reißen sich die Mitspielenden nicht alle die gleichen Zutaten unter die Nägel. Aber es kann durch den beschriebenen Zufall schonmal ein wenig unfair zugehen. Zum Beispiel dadurch, dass die Zutaten, die in unseren Rezeptbüchern vorgegeben sind und Extrapunkte einbringen, einfach gar nicht aus dem Sack gezogen werden. 

Dann halt doch der Liebetrank zuerst!

Bei allen Planungen hilft es enorm, flexibel zu denken: Bekomme ich die gewünschte Zutat nicht, gilt es, den Ärger zu unterdrücken und neu zu planen. Kann ich umdenken? An einer anderen Flaschenfüllung weiterarbeiten, wenn ich sehe, dass ich da eher Chancen habe, die Flasche schneller als die anderen fertigzustellen? Nicht nur in dieser Hinsicht lohnt es sich, mal auf die Tableaus der anderen zu schauen und abzugleichen, wo man steht. Man muss auch im Auge haben, wie viele Flaschen dort bereits verkorkt sind und wie nah das Spielende zu sein scheint – das kann sonst überraschend schnell eintreten. Ohne diese Seitenblicke ist man während des Spielgeschehens zu sehr mit seinen eigenen Planungen sowie dem eigenen Tableau beschäftigt. 

Abschließend noch kurz zur Ausstattung:

Am Spielmaterial ist nicht groß etwas auszusetzen. Was mich aber wirklich stört, ist, dass die Regeln einen Link zu einem Wertungsblatt enthalten. Schade, dass daraus kein Wertungsblöckchen gemacht wurde, dass dem Spiel beiliegt. Kann eigentlich kein so hoher Kostenfaktor sein…

Ärgerlich finde ich auch den außerordentlich dünnen Schachtel-Karton. Auf die Schachtel sollte man besser nichts anderes stapeln, denn dann dellt er schnell unschön ein. 

  • Überrascht mit mehr Spieltiefe als das Regelstudium vermuten lässt
  • Schöne, anspruchsvolle Planungsaufgaben
  • Unterschiedliche Tableaus und Rezepte nehmen den Druck, bestimmte Plättchen bekommen zu müssen
  • Übersichtskarte für Effekte wäre schön gewesen
  • Schachtelkarton ist sehr dünn und nicht robust genug
  • Zufall bei der Zutatenauslage kann ungerechte Auswirkungen haben

In Elixirus planen wir das Einsammeln von Zutaten, die wir für das Brauen von Zaubertränken benötigen. Das erfordert Planung und Timing, denn weder zu viele Zutaten noch zu wenige sind förderlich. Elixirus fordert von uns daher mehr Planungsaufwand, als man zunächst denkt und überrascht uns positiv mit einer schönen Spieltiefe. Das Planen und das richtige Abwägen muss aber zuerst gelernt werden – ggf. auch schmerzvoll – durch viele Minuspunkte in der Giftflasche.

Schön ist, dass wir dabei unterschiedliche Sammelschwerpunkte haben und uns nicht immer in die Quere kommen. Interaktion kommt trotzdem nicht zu kurz, da uns die Effekte auf manchen Einsatzfeldern einladen, uns in bessere Positionen zu bringen oder Zutaten zu stehlen. 

Elixirus ist ein typisches Spiel auf Familienspielniveau, das man aber von den Entscheidungen her, die man zu treffen hat, nicht unterschätzen darf!

AUTOR: Dickie Chapin
ARTIST: Natalia Kordowska
VERLAG:
Piatnik
ERSCHEINUNGSJAHR: 2025

2-5 Spielende

10 Jahre

30 Min.

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