Dienstag, Januar 27, 2026
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FANTastic Trails – REVIEW | Rezension Brettspiel

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Ameisen sind derzeit Trendtiere für Spiele und so spielen sie auch in FANTastic Trails eine Hauptrolle, wo wir die Aufgabe haben, möglichst lange Ameisenstraßen zu bauen. Eine Ameisenstraße dient der Verbindung des Ameisennestes mit einer Nahrungsquelle und davon gibt es in Fantastic Trails ziemlich viele: Kürbisse, Beeren, Pilze, Fallobst – es gibt eine ganze Menge zu essen und hungern müssen unsere Ameisen hier sicher nicht. Wie effizienter Straßenbau auf Ameisenart abläuft, erfahrt Ihr im Folgenden. 

Carina


In der Rolle von Ameisen sollen wir in Fantastic Trails lange Ameisenstraßen bauen und auf dem Weg dahin möglichst viele Boni einsammeln, die uns im Spiel weiterbringen. 

Fantastic Trails spielen wir über 3 Runden. In der ersten Runde starten alle mitspielenden Personen mit zwei Waldbodenkarten, nach jeder Runde kommt eine weitere Karte hinzu, so dass wir das Spiel mit vier Karten beenden. Auf den Karten sind Formen eingezeichnet – einzelne oder doppelte Felder, in die wir Zahlenwerte eintragen werden. Dabei macht es Sinn, in angrenzende Felder die gleichen, absteigende oder aufsteigende Zahlenwerte einzutragen. Können wir Zahlenwerte verbinden, die diese Bedingung erfüllen, entstehen Wege, wobei jede verbundene Ziffer bei Spielende einen Punkt einbringen wird.

Doch wie tragen wir die Zahlen überhaupt ein? Dafür decken wir immer eine Zahlenkarte (Wert 1-7 sowie ein Joker) auf und eine Formenkarte (4 Doppelformen und 4 kleine Formen, teilweise mit Farbvorgaben, teilweise als Joker). In die durch die aufgedeckte Karte vorgegebene Form muss dann auf einer der Waldbodenkarten die vorgegebene Ziffer eingetragen werden – je nach Form ein- oder zweimal. Ggf. können wir die Vorgaben abwandeln, indem wir Ameisen auf unseren Wertungskarten einsetzen und so die Form oder Zahl verändern. 

Je nach Spielvariante sind in die Stapel mit Zahlen und Formen noch Tierkarten eingemischt, die dafür sorgen, dass aufgedeckte Karten ignoriert werden oder interaktive Elemente ins Spiel kommen. Ist dies der Fall, zeichnen wir Wespen/Blockaden auf den Karten der Mitspielenden ein, die wir durch das Eintragen von Zahlenwerten wieder eliminieren können, damit sie uns bei Rundenende keinen Honig klauen.

Von den Waldbodenkarten gibt es 9 unterschiedliche Arten. Sie unterscheiden sich nach dem Aufbau der Formen und Farben sowie der Anordnung der Elemente zueinander. Sie unterscheiden sich aber im Wesentlichen auf die Art, wie sie uns Boni einbringen. Boni erhält man durch das Erreichen von Vorgaben, in bestimmte Felder bestimmte Zahlen einzutragen oder Felder in bestimmten Bereichen oder Anordnungen zu befüllen. Als Boni winken ebenfalls unterschiedliche Elemente. 

–       Zum einen können wir Ameisen verdienen, die wir auf unserer Wertungskarte aktivieren, um sie später für die Manipulation von Farben oder Formen einzusetzen.

–       Oder wir erhalten Honig, den wir markieren und dessen Anzahl wir am Ende einer Runde notieren und dessen Wert ebenfalls in die Endwertung einfließt. 

–       Zum anderen erhalten wir die Möglichkeit, zusätzliche Eintragungen vorzunehmen, so dass wir die Ameisenstraßen ggf. schneller vorantreiben können.

Fantastic Trails endet nach der vierten Runde. Zu den bereits nach den einzelnen Runden notierten Punkten für Honig, werten wir nun auf den vier Karten die eingezeichneten Ameisenstraßen aus und notieren die Punkte. Wer die meisten Punkte erzielen konnte, gewinnt Fantastic Trails

Das Spiel lässt sich ohne wesentliche Anpassung auch solo spielen.

Brettspiel Regeln

Spielregeln (ext. Link zu NSV)


Der Einstieg in Fantastic Trails ist ein wenig mühsam. Für so ein kleines Spiel, was selten länger als 20 Minuten dauert, sind es doch recht viele Informationen, die vor der ersten Partie zu verarbeiten sind. Das liegt nicht an den Grundregeln des Spiels, sondern an der Funktionalität der neun unterschiedlichen Waldbodenkarten.

Die Grundregeln sind leicht verständlich – auch, weil sie sehr verwandt zu anderen ähnlichen Spielen wie zum Beispiel Silver & Gold sind (ebenfalls aus dem Hause NSV). Wer das kennt, wird sich auch hier im Reich der Ameisen schnell heimisch fühlen.

Flotter Straßenbau

Die Planungsaufgabe, die uns Fantastic Trails aufgibt, ist durchaus reizvoll: Wo setze ich Zahlen hin, wo lasse ich Platz, welche Zahlen stehen noch aus und wo habe ich die Chance auf eine besonders lange Straße? Wer ein wenig die Karten nachverfolgt, die bereits gespielt wurden, kann ungefähr absehen, welche Zahlen oder Formen noch ausstehen und dann in etwa abschätzen, welche Flächen man noch sinnvoll füllen kann. 

Sind keine Grübler mit am Tisch, dann geht das flott und flüssig. Man darf beim schnellen Straßenabu nicht die Nutzung der Boni vergessen, denn schnell übersieht man, dass man eine Bedingung bereits erfüllt hat. Da wir alle parallel spielen, macht es auch keinen Unterschied, mit wie vielen Personen wir Fantastic Trails spielen. Schnell ist die dritte Runde vorüber und man kommt kaum dazu, auf der vierten Karte, die man in der letzten Runde erhält, noch etwas einzutragen. 

Vielfältiger Waldboden

Dass es unterschiedliche Waldbodenkarten gibt, die sich alle ein wenig in ihrer Funktionalität unterscheiden, ist gut für die Abwechslung im Spiel. Anfänglich sind sie aber alle erklärungsbedürftig. Daher empfiehlt die Spielregel auch einen sanften Einstieg mit nur vier unterschiedlichen Arten, aber irgendwann will man doch alle Karten kennenlernen. Spielt man direkt mit allen Sorten und erklärt das Spiel neuen Mitspielenden vor Beginn der Partie, kann die Erläuterung der Symbole und Funktionalitäten schonmal ähnlich lange dauern, wie die Partie selbst. Die Symbole auf den Karten, die anzeigen, unter welchen Bedingungen man die Boni erhält, sind nicht alle selbsterklärend. Meine Empfehlung: Karten dann erklären, sobald sie vor neuen Mitspielenden auftauchen – also nur erklären, was auch wirklich im Spiel vorkommen wird. So spart man Zeit und nimmt Erklärungshürden.

Glückssache

Die unterschiedlichen Kartenarten führen auch direkt zum nächsten Punkt: Einige der Kartenarten sind deutlich einfacher zu erfüllen als andere – je nachdem wie streng die Vorgaben sind. Samen- und Blüten-Karten sind meist schnell gefüllt. Stehen sie zur Wahl, sollte man sich dafür entscheiden, denn mit ihnen kommt man flott voran. Die Nadel- und Knochenkarten wurden in unseren Partien eher als anstrengend und schwieriger zu erfüllen empfunden. 

Man ist daher immer ein stückweit vom Glück oder Pech abhängig – je nachdem, welche Karten einem zugeteilt werden. Dies ist nicht nur bei den Arten der Fall, sondern betrifft auch die Boni auf den zugeteilten Karten. Optimal ist es, wenn man früh Honig erhalten kann, der dann auch in den Folgerunden immer wieder in die Wertung eingehen kann. Kann man Honig nur mühsam erhalten, fehlen oft Punkte, die für den Sieg ausschlaggebend sind. Es bleibt für mich daher eine Frage, ob es so viele unterschiedliche Waldkarten für das Spiel gebraucht hätte. 

Lieber Wespe und Blattlaus als Ameisenbären

In der Grundversion des Spiels ist in den Zahlen- und den Formen-Stapel jeweils ein Ameisenbär eingemischt. Erscheint dieser, verfällt die Karte, die gemeinsam mit dem Ameisenbären aufgedeckt wird. Diese Regel ist für den Einstieg gedacht und einfacher in der Anwendung. Sie macht aber wenig Spaß, da sie recht frustrierende Wirkung hat. Jede Runde darf man zweimal Dinge nicht eintragen und das ist immer ein kleiner Dämpfer. Natürlich sind sie Bestandteil, um Berechenbarkeit aus dem Spiel zu nehmen, aber gleichzeitig nehmen sie auch Pfiff. 

Deutlich besser ist die Variante „Neue Nachbarn“, die wir nach dem ersten Kennenlernen immer als Grundregel verwendet haben. Die Wespe bringt ein klein wenig Interaktion und Konfrontation ins Spiel, obwohl es immer etwas nervig ist, die Karten zum Einzeichnen der Blockaden weiterzureichen und wieder zurückzugeben. Der Autor hat bei dieser Idee wohl ein wenig bei sich selbst geklaut, denn das Blatt weiterreichen und dort etwas Störendes von den Gegnern eintragen zu lassen, kennen wir bereits von einem anderen Werk des gleichen Autors: Der Kartograph.

Die Blattlaus ist ein großer Gewinn, da sie – bei ausreichend freigeschalteten Ameisen – immer die Option einer wildcard bietet, die sehr hilfreich sein kann und damit ein positives Spielgefühl mit sich bringt. 

Nach einigen Kritikpunkten aber abschließend noch ein dickes Lob: Wir haben hier eine sehr gute Materialqualität vor uns. Die Karten sind optimal beschichtet und alle Eintragungen gehen rückstandslos und einfach wieder ab. Auch die Stifte sind Markenprodukte und haben eine Top-Qualität.

  • Tolle Karten- und Stiftqualität
  • Abwechslung durch unterschiedliche Waldbodenkartenarten
  • Flottes Spieltempo, da alle gleichzeitig spielen
  • Langweilige Grundversion bzgl. der Tiere in den Kartenstapeln
  • Viel Symbolsprache für ein kleines Spiel
  • Kartenfunktionalitäten und Boni scheinen teilweise unausgewogen

Fantastic Trails ist ein Flip & Write-Spiel, das uns interessante kleine Entscheidungen und Planungsaufgaben aufgibt. Es enthält zahlreiche unterschiedliche Karten, die zwar für Varianz sorgen, aber auch eine Menge Information beinhalten, die erst verstanden und erklärt werden muss. Alles in allem viel Information für so ein kleines Spiel. Zudem ist es ein wenig Glückssache, welchen Schwierigkeitsgrad man beim Ausfüllen der Karten und bei den Boni zu bewältigen hat.

Das Spiel überzeugt durch tolle Materialqualität und eignet sich als Absacker oder in der Familienrunde. Es hätte mir besser gefallen, wenn die Variante mit Wespe und Blattlaus die Grundregel des Spiels wäre. Schade, dass es nur eine Variante ist. Ich empfehle, es immer in der Variante zu spielen und dann passt auch die untenstehende Wertung für mich.

Leider fehlt mir auch ein wenig die thematische Anbindung – auf den Karten hätte ich doch wenigstens hin und wieder gerne mal eine Ameise beim Straßenbau gesehen.

AUTOR: Jordy Adan
ARTIST: Oliver Freundenreich
VERLAG:
NSV
ERSCHEINUNGSJAHR: 2025

1-4 Spielende

10 Jahre

30 Min.

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