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Blick hinter die Kulissen – ein Tag bei Ravensburger

Ein Tag bei Ravensburger – muss man dafür extra nach Süddeutschland reisen?
Ja, muss man. Zumindest wenn man neugierig ist, wie Spiele bzw. Puzzles entstehen, was sich hinter den Kulissen eines großen Verlags abspielt – und wenn man die Gelegenheit bekommt, mit anderen Brettspielbegeisterten einen Blick in Entwicklung, Produktion und Geschichte zu werfen.

Gemeinsam mit Flo (GetonBoard) und Jürgen (Spielbar.com) ging es für mich auf Einladung von Ravensburger nach Oberschwaben. Die Hinfahrt: Gelegenheit für ein paar erste Partien zwischendurch. Schließlich waren wir in Sachen Brettspiel unterwegs.

Vom Empfang bis zum Werksrundgang – mehr als nur ein Blick

Nach einem lockeren Abendessen am Vorabend – ganz ohne Programmpunkte, aber mit viel Austausch – startete der nächste Morgen direkt bei Ravensburger. Vor Ort begrüßten uns Katrin Seemann, Michaela Magin und Yasin Ates und verschiedene andere Mitarbeitende und boten uns einen ersten freundlichen Einblick in die Arbeitswelt hinter den Spielen.

Der Rundgang unter Leitung von Michaela Magin führte uns durch verschiedenste Bereiche: moderne Büros mit offenen Workspaces, in denen an Spielideen gefeilt wird, Besprechungszonen mit Prototypenstapeln.

… aber auch durch die Werkstätten, wo Verpackungen entwickelt und getestet werden.

Hier konnten wir den Weg eines Puzzles nachvollziehen. Von dem Druck des Bogens über die Zusammenführung mit der Pappe, dem Stanzen der Puzzleteile bis hin zur Konfektionierung im selbstbedruckten Karton. Faszinierend wieviel maschinelle Power hinter der Produktion steckt, wieviel Handarbeit dennoch von Nöten ist, um z.B. die Stanzvorlagen für die einzelnen Puzzle zu erstellen.

Beeindruckend war der Besuch im Hochregallager – ein riesiger Raum, in dem tausende von Spielen, Puzzles und Büchern systematisch eingelagert sind. Hier wird Logistik sichtbar und spürbar.

Ein unerwartetes Highlight: Ein gemeinsames Gruppenfoto, das wir zu Beginn gemacht hatten, tauchte später noch einmal auf – in Form eines individuell für uns produzierten Ravensburger Puzzles (die kann sich übrigens jeder für sich und seine Lieben herstellen lassen), das wir zum Abschied als Geschenk erhielten. Eine schöne Erinnerung und ein Zeichen dafür, wie detailverliebt hier gedacht wird – auch bei einem Besuch hinter den Kulissen.

Empamos – Spielmechanik trifft Emotion

Ein weiteres Highlight des Besuchs waren die beiden Vorträge zum Forschungsprojekt Empamos (Empirical Analysis of Motivational Patterns in Modern Board Games), vorgestellt von Prof. Dr. Thomas Voit (Technische Hochschule Nürnberg) und Dr. Volker Mehringer (Hochschule Augsburg). Ziel des Projekts ist es, herauszufinden, welche Spielmechaniken welche Emotionen auslösen – und wie sich daraus Rückschlüsse auf Spielmotivation, Spannung und Spielspaß ziehen lassen.

Die Forschenden analysieren moderne Brettspiele systematisch: Welche Mechaniken erzeugen Freude, Frust, Spannung oder Überraschung? Welche Strukturen führen zu besonders motivierenden Spielverläufen? Mit über 200 untersuchten Spielen und der eigens entwickelten Empamos-Datenbank liefert das Projekt eine fundierte Grundlage für Verlage, Redaktionen – aber auch für Coaches und Pädagog*innen, die sich für Gamification interessieren.

Der Transfer in den Alltag ist dabei mehr als ein Nebenaspekt: In Workshops, Meetings oder Veränderungsprozessen gelten ähnliche Prinzipien wie im Spiel. Was löst ein Regelbruch aus? Wie wirken asymmetrische Rollenverteilungen? Welche „Spielziele“ fördern Kooperation oder Wettbewerb? Der Perspektivwechsel lohnt – nicht nur für Spieleautoren und -autorinnen.

Neues ausprobieren – Spieleturnier am Nachmittag

Nach dem „theoretischen Teil“ des Vormittags wurde es am Nachmittag spielerisch: In einem kleinen Turnier konnten wir aktuelle Titel aus dem Hause Ravensburger ausprobieren – teils frisch erschienen, teils kurz vor Veröffentlichung. Die Redaktion hatte dafür eine abwechslungsreiche Mischung zusammengestellt, bei der sowohl Familien- als auch Kennerspielerende auf ihre Kosten kamen.

Mit dabei waren u. a.:

  • HUTAN – ein taktisches Naturspiel mit reizvollem „Puzzle“charakter, denn wir müssen Plättchen aus einer Auslage auf verschiedene Inseln verteilen und dabei möglichst farbtreu bleiben.
  • Kekse Kästchen – charmantes Thema, bei dem wir über mehrere Runden, im klassischen Käsekästchenmodus Kekse abräumen müssen.
  • Gloomies – überraschend kniffliges Spiel über zwei Phasen.
  • Sandburgen von Burgund – der bekannte Klassiker in neuem, familien-/kinderfreundlichem Gewand
  • Brilliant – schnell, interaktiv Rennspiel mit ungewöhnlichem Wertungssystem.

Das Turnier ging über drei Runden und am Ende gewannen die Maultaschen

bestehend aus Flo, Bente (Ravensburger), Stefan (weloveboardgames) und mir.

Ravensburger Museum – Geschichte trifft Zukunft

Am späteren Nachmittag ging es nach einer Stärkung weiter ins Museum Ravensburger (kann man in Ravensburg auch so besuchen), das nicht nur die Historie des Hauses beleuchtet, sondern auch Raum zum Spielen bietet. Zwischen Exponaten und interaktiven Stationen wurden uns dort einige Herbstneuheiten im Prototypen-Stadium vorgestellt – frisch vom Entwicklungstisch, noch nicht final gestaltet.

Hier freue ich mich insbesondere auf Match me if you can, was im Herbst als Partyspielneuheit erscheinen wird.

Fazit – Zwischen Tradition und Neugier

Ein Tag reicht nicht, um alles zu sehen – aber er reicht, um ein Gefühl dafür zu bekommen, was hinter der Marke Ravensburger steckt: viel Erfahrung, ein hoher Qualitätsanspruch, und vor allem Menschen, die ihre Arbeit ernst nehmen, ohne dabei den Blick für das Spielerische zu verlieren.

Was bleibt, ist ein Eindruck von gelebter Neugier: auf neue Ideen, auf externe Perspektiven, auf die vielen kleinen Details, die ein gutes Spiel ausmachen. Und genau das macht Lust auf mehr – sowohl am Spieltisch als auch im Dialog zwischen Verlag und Community.

Wer noch weitere spielerische Eindrücke hören will, kann dieses im Podcast von Flo, Jürgen und mir tun (LINK – Qualität wegen der Zugfahrt ein wenig eingeschränkt).

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