Plättchenlegespiele haben uns über Jahre eine einfache Regel beigebracht: Lücken sind schlecht. Wir schieben Formen möglichst eng zusammen, nutzen jeden freien Winkel und ärgern uns über unpassende Zwischenräume.
Beim Brettspiel Frosted Blooms dreht genau diesen Gedanken um. Hier sind Lücken nicht das Problem, sondern ein wesentlicher Teil der Lösung. In ihnen entstehen Arbeiter, Scheunen und vor allem wertvolle Windmühlen. Gleichzeitig wollen wir große zusammenhängende Blumenfelder und Wasserflächen schaffen, um unsere Wertungskarten möglichst gewinnbringend einzusetzen.
So wächst vor uns eine farbenfrohe Tulpenlandschaft, die freundlich und entspannt aussieht. Hinter der hübschen Fassade wartet allerdings ein anspruchsvolles räumliches Puzzle, bei dem wir mit jeder Entscheidung mehrere Ziele gleichzeitig verfolgen.
Frosted Blooms 2026 wurde das Spiel in die Empfehlungsliste zum Kennerspiel des Jahres aufgenommen.
Christoph

In Frosted Blooms gestalten wir über zehn Spielzüge einen eigenen Garten aus Landschaftsplättchen. Jedes dieser Plättchen besteht aus fünf Feldern. Darauf befinden sich zwei miteinander verbundene Wasserfelder sowie je ein Feld mit roten, weißen und lilafarbenen Tulpen. Die Form der Plättchen und die Anzahl der Blumen auf den einzelnen Feldern unterscheiden sich.
Zu Beginn erhalten wir ein Startplättchen, zehn Landschaftskarten und abhängig von unserer Position in der Zugreihenfolge ein bis vier Münzen. Die Landschaftskarten werden gemischt. Drei davon nehmen wir auf die Hand. Rund um den zentralen Spielplan liegen fünf Landschaftsplättchen. Ein Blumenmarker zeigt an, an welcher Stelle die Auswahl beginnt.
Ein Landschaftsplättchen auswählen
Zu Beginn unseres Zuges bewegen wir den Blumenmarker im Uhrzeigersinn zu einem Landschaftsplättchen. Das direkt folgende Plättchen können wir kostenlos nehmen. Möchten wir weitere Plättchen überspringen, legen wir auf jedes ausgelassene Plättchen eine Münze. Liegen bei dem gewählten Plättchen bereits Münzen, nehmen wir diese zu uns. An der bisherigen Position des Blumenmarkers wird anschließend ein neues Landschaftsplättchen aus dem Beutel ausgelegt.
Die Landschaft erweitern
Das gewählte Plättchen legen wir an unseren Garten an. Dabei muss mindestens ein Feld des neuen Plättchens mit einer Kante an ein bereits vorhandenes Plättchen angrenzen. Das Plättchen darf vor dem Anlegen gedreht und gewendet werden. Vollständig umschlossene Lücken dürfen aus höchstens vier Feldern bestehen (dafür gibt es eine Spielerhilfe). Größere geschlossene Freiräume sind nicht erlaubt.
Eine Landschaftskarte werten
Nach dem Anlegen spielen wir eine Landschaftskarte aus unserer Hand. Einige Karten zeigen eine Landschaftsart und bringen zwei Punkte pro passendem Element. Andere Karten zeigen zwei Landschaftsarten und bringen jeweils einen Punkt pro passendem Element. Die Wertung beginnt auf dem gerade gelegten Plättchen. Gewertet werden die dort abgebildeten Blumen beziehungsweise Wasserfelder sowie alle orthogonal verbundenen Felder derselben Landschaftsart. Nach der Wertung ziehen wir eine neue Karte nach, solange sich noch Karten im eigenen Nachziehstapel befinden. Da jede der zehn Landschaftskarten genau einmal gespielt wird, endet die Partie nach dem zehnten Zug.
Verbesserungen einsetzen
Entsteht durch das Anlegen eines Plättchens eine vollständig umschlossene Lücke aus einem bis vier Feldern, wird sie sofort mit Verbesserungen gefüllt. Eine Lücke aus einem Feld erhält einen Arbeiter. Dieser bringt sofort eine Münze und am Spielende drei Punkte. In einer Lücke aus zwei Feldern wird eine Scheune eingesetzt. Sie ist am Spielende zehn Punkte wert. Bei Lücken aus drei oder vier Feldern hängt die eingesetzte Kombination aus Arbeitern und Scheunen von der Form der freien Fläche ab. Eine quadratische Lücke aus vier Feldern erhält eine Windmühle. Diese bringt am Spielende 25 Punkte.
Eine Übersicht zeigt, welche Verbesserung zu welcher Lückenform gehört.
Ziele beanspruchen
Auf dem zentralen Spielplan liegen Zielplättchen für die drei Blumenarten, Wasser sowie Arbeiter, Scheunen und Windmühlen. Sobald wir die Voraussetzung eines Zielplättchens erfüllen, dürfen wir es nehmen. Von jeder der sieben Kategorien können wir höchstens ein Zielplättchen beanspruchen. Ein bereits genommenes Ziel darf später nicht gegen ein höherwertiges Ziel derselben Kategorie ausgetauscht werden. Die Zielplättchen bringen abhängig von ihrer Stufe drei, zehn oder 25 Punkte.
Spielende
Nach zehn Spielzügen endet die Partie. Anschließend werden die Punkte aus den während der Partie gespielten Landschaftskarten mit den Punkten der Verbesserungen und Zielplättchen addiert. Jede verbliebene Münze bringt einen weiteren Punkt. Wer insgesamt die meisten Punkte gesammelt hat, gewinnt.
Brettspiel Regeln
Spielregeln (ext. Link zu Elznir Games)


Frosted Blooms stellt eine vertraute Regel vieler Plättchenlegespiele auf den Kopf. Normalerweise versuchen wir, Formen möglichst eng aneinanderzulegen und freie Felder zu vermeiden. Hier werden genau diese Lücken zu einem wichtigen Teil der Planung.
Das verändert den Blick auf jedes Landschaftsplättchen. Wir achten nicht nur darauf, welche Blumen und Wasserflächen wir miteinander verbinden können. Gleichzeitig überlegen wir, welche Freiräume entstehen, welche Lücke sich später schließen lässt und welche Verbesserung dort eingesetzt werden könnte. Dabei greifen drei Wertungsebenen ineinander. Zusammenhängende Blumenfelder und Wasserflächen bringen Punkte über unsere Landschaftskarten. Geschlossene Lücken liefern Arbeiter, Scheunen und Windmühlen. Die gemeinsamen Ziele belohnen bestimmte Größen von Landschaften oder die Anzahl der gesammelten Verbesserungen. Diese drei Ebenen ergänzen sich, stehen aber zugleich in Konkurrenz zueinander. Für eine starke Kartenwertung möchten wir möglichst große zusammenhängende Flächen schaffen. Für Scheunen und Windmühlen müssen wir bewusst Freiräume zwischen diesen Flächen lassen. Ein Plättchen, das unmittelbar viele Punkte bringt, ist deshalb nicht automatisch die beste Wahl für den weiteren Aufbau.
Besonders befriedigend sind Züge, in denen mehrere Pläne gleichzeitig aufgehen. Ein neues Plättchen erweitert eine Landschaft, passt zur ausgespielten Karte, schließt eine vorbereitete Lücke und erfüllt vielleicht noch ein Ziel. Solche Züge entstehen selten zufällig. Meistens sind mehrere Runden Vorbereitung erforderlich.
Die Auswahl der Landschaftsplättchen bringt eine zusätzliche bekannte wirtschaftliche Entscheidung ins Spiel. Das nächste Plättchen ist kostenlos. Für weiter entfernte Plättchen müssen wir Münzen bezahlen (können). Gleichzeitig können sich auf übersprungenen Plättchen Münzen ansammeln, wodurch auch eine weniger passende Form plötzlich attraktiv wird. Dadurch wirkt kaum ein Plättchen grundsätzlich unbrauchbar. Sein Wert hängt stark von der eigenen Landschaft, den verfügbaren Karten und den vorbereiteten Lücken ab. Eine schwierige Form kann genau das fehlende Teil für eine Scheune sein. Ein Plättchen mit einer ungünstigen Blumenverteilung kann zwei getrennte Gebiete verbinden oder eine Windmühle ermöglichen.
Weniger planbar ist die Reihenfolge der Landschaftskarten. Alle besitzen dasselbe Deck und spielen jede Karte genau einmal. Zu welchem Zeitpunkt eine bestimmte Wertung zur Verfügung steht, entscheidet jedoch die zufällige Kartenreihenfolge. Dadurch passt die eigene Kartenhand nicht immer zum aktuellen Zustand des Gartens. Eine große rote Landschaft kann fertiggestellt sein, während die passende Karte bereits gespielt wurde oder noch im Nachziehstapel liegt. Frosted Blooms verlangt deshalb nicht nur langfristige Planung, sondern auch die Bereitschaft, auf die aktuelle Kartenhand zu reagieren.
Die gemeinsamen Ziele sorgen für zusätzliche Spannung. Wir können ein leichteres Ziel früh sichern, verzichten damit aber auf das höherwertige Ziel derselben Kategorie. Warten wir auf die bessere Variante, besteht die Gefahr, dass eine andere Person schneller ist.
In unseren Partien wirkten die Wasserziele (je nach Ausprägung) dabei teilweise besonders stark. Jedes Landschaftsplättchen enthält zwei miteinander verbundene Wasserfelder. Dadurch lässt sich eine Wasserfläche vergleichsweise zuverlässig vergrößern. Der Startspielende kann als erste Person auf die Auslage zugreifen und bei passenden Zielen früh einen Vorsprung aufbauen. Eine Wasserstrategie gewinnt deshalb nicht automatisch. Ihre Stärke hängt von den ausliegenden Zielen, den verfügbaren Formen und der Entwicklung der übrigen Gärten ab. Dennoch können passende Wasserziele den ersten Zugriff auf die Plättchenauslage spürbar aufwerten.
Die Interaktion bleibt insgesamt indirekt. Wir konkurrieren um Landschaftsplättchen, Münzen und Ziele, greifen aber nicht unmittelbar in die Gärten der anderen ein. Der größte Teil der Aufmerksamkeit liegt auf der eigenen Auslage.
Trotz der verschiedenen Wertungen bleibt der Ablauf übersichtlich. Die zehn Züge geben der Partie einen klaren Rahmen und sorgen dafür, dass jede Platzierung zählt. Gleichzeitig lassen sich Fehler nur schwer korrigieren. Häufig endet die Partie genau dann, wenn der eigene Garten besonders interessant wird und weitere Pläne bereits sichtbar sind.
Gerade daraus entsteht ein guter Wiederspielreiz. Nach der Schlusswertung bleibt häufig das Gefühl, beim nächsten Versuch die Karten besser einsetzen, Lücken früher vorbereiten oder noch eine weitere Windmühle unterbringen zu können.

- Originelles Lückenprinzip mit cleverer Raumplanung
- Verzahnte Wertungsmöglichkeiten mit vielen Entscheidungen
- Stimmige Ausstattung mit schönem Tischbild
Frosted Blooms ist ein zugängliches Plättchenlegespiel mit einer überraschend anspruchsvollen Kernidee. Statt jede Fläche möglichst dicht zu füllen, müssen wir lernen, bewusst Freiräume zu planen. Genau daraus entsteht ein spannendes Puzzle zwischen großen Landschaftsgruppen, wertvollen Verbesserungen und wechselnden Zielen.
Die Regeln sind schnell verstanden, doch die Entscheidungen besitzen deutlich mehr Tiefe, als das freundliche Tulpenmotiv zunächst vermuten lässt. Welche Form wählen wir? Wo legen wir sie an? Welche Karte setzen wir ein? Sichern wir ein Ziel oder warten wir auf die bessere Variante? Und lässt sich vielleicht doch noch eine weitere Windmühle unterbringen?
Nicht jede Wertung lässt sich langfristig kontrollieren. Die Kartenreihenfolge und die wechselnde Plättchenauslage zwingen uns immer wieder zu Anpassungen. Gerade dadurch bleibt Frosted Blooms beweglich und belohnt nicht nur langfristige Planung, sondern auch taktische Flexibilität.
Wer gerne Plättchen legt, räumlich plant und Freude daran hat, aus vermeintlichen Lücken etwas Wertvolles entstehen zu lassen, findet hier einen besonders schönen Tulpengarten. Manchmal liegt die beste Lösung eben genau dort, wo zunächst etwas zu fehlen scheint.


AUTOR: Bruno Cathala & Ludovic Maublanc
ARTIST: Simon-Pierre Bernard
VERLAG: Elznir Games
ERSCHEINUNGSJAHR: 2026

1-4 Spielende
8 Jahre
45 Min.









