Donnerstag, September 29, 2022
StartJahr2022REVIEW | Rezension Brettspiel Animal Kingdom

REVIEW | Rezension Brettspiel Animal Kingdom

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„In Animal Kingdoms schlüpft jeder Spieler in die Rolle des Anführers eines Hauses und kämpft um die Kontrolle über die fünf Königreiche. Die Karten auf deiner Hand repräsentieren edle Tiere, die dir ihre Treue geschworen haben“ – soweit die Einleitung zum Spiel auf BGG. Ich will nicht spoilern, aber ganz so Themanaufgeladen empfinde ich Animal Kingsdoms nicht. Aber das Thema entscheidet ja nicht alleine, ob ein Spiel gefällt. Ein Spiel sollte vor allem ein rundes Spielgefühl erzeugen und da – nächster Spoiler – kann das Spiel punkten. Wie? Lest selbst.   

Carina Brachter


SPIELBESCHREIBUNG

In Animal Kingdoms kämpfen wir um die Vorherrschaft und die entsprechend erreichbaren Siegpunkte in fünf ausliegenden Königreichen, die wir über Mehrheiten erreichen können. Die Königreiche befinden sich auf dem zentralen Spielbrett. Jedes Königreich hat unterschiedlich viele Felder, auf denen wir unsere farbigen Schilde platzieren können. Es gibt fünf Königreiche mit vier bis zu acht Plätzen.

Jedes dieser Königreiche hat sein eigenes Gesetz, nach dem wir Karten dort auslegen können und nur wenn wir diese ausspielen können, darf auch ein Schild in diesem Königreich platziert werden. Die Gesetze werden über Karten dargestellt, die dort ausliegen. Sie bestimmen für jeder der drei Runden, über die Animal Kingdoms gespielt wird, welche Regeln zu beachten sind. Das können beispielsweise bestimmte Tierarten oder Zahlenwerte sein, in aufsteigender Reihenfolge von eins bis acht oder andersherum. Oder sie orientieren sich an dem, was auf den direkten Nachbarfeldern oder im gesamten Spielbereich ausliegt und wir dürfen ins Königreich nur andersartige Tierarten spielen, als überhaupt schon ausliegen oder nur Kartenwerte, die bereits in anderen Königreichen ausliegen.

In jedem der Königreiche liegen jeweils drei Siegpunktmarker – in jeder Runde kann der jeweils links liegende Wert als Siegpunkte erreicht werden. 

Sind wir an der Reihe, gilt es unsere vier Handkarten zu sondieren und zu schauen, wohin welche Karte gespielt werden kann. Spielt man seine gewählte Karte aus, legt man ein Schild der eigenen Farbe in das jeweilige Königreich und zieht am Ende eine Karte nach. 

Die Handkarten zeigen acht unterschiedliche Tierarten jeweils mit den Werten 1 bis 8. 

Alternativ zum Kartenausspielen kann man auch beliebig viele seiner Handkarten mit dem Nachziehkartenstapel tauschen und einen Siegpunkt als Entschädigung erhalten, weil man in dieser Runde nichts anderes mehr machen darf.

Als dritte Alternative kann man auch aus der laufenden Runde aussteigen, in dem man eines der sog. Kronenfelder in einem der Königreiche besetzt. Tut man dies als Erste:r in der Runde, erhält man noch ein Plättchen mit Bonuspunkten.

Jedes der Königreiche verfügt über genau ein solches Kronenfeld, dessen Vorteil darin liegt, dass man mit seinem dort platzierten Schild nach der Runde in eines der sog. Thronfelder aufsteigen darf und so mit seinem Schild auch in der nächsten Runde in diesem Königreich bereits einen festen Platz belegt hat. So gelingt es dann ggf. leichter, die Mehrheit in diesem Königreich zu erringen.

Am Ende der Runde werden je nach Königreich die Mehrheiten ausgewertet und an die ersten drei Platzierten Punkte vergeben. Bei einem Gleichstand  muss mit Handkarten noch gekämpft werden, um eine:n Sieger:in zu ermitteln.

Dann wird die nächste Runde vorbereitet, in der alle neue Handkarten erhalten, alle ihre Schilde bis auf die auf den Thronfeldern zurücknehmen und in den Königreichen neue Gesetzeskarten ausgelegt werden. 

Wer nach drei Runden die meisten Siegpunkte auf der Wertungstafel vorweisen kann, wird König der Tiere und gewinnt Animal Kingdoms



AUTOR: Steven Aramini ■ ILLUSTRATION: Katy Grierson
VERLAG: Game Factory ■ ERSCHEINUNGSJAHR: 2021

spieler

1-5 Spieler

alter

ab 8 Jahren

zeit

ca. 45 Minuten

Spielregeln (ext. Link zu Game Factory)


SPIELGEFÜHL

Das Ziel von Animal Kingdoms ist es, Gebietsmehrheiten zu erreichen – das ist zugegebenermaßen ein recht abstraktes Vorhaben und das Thema ist dabei natürlich aufgesetzt. Aber das ist bei vielen Spielen der Fall und das möchte ich Animal Kingsdoms sicher nicht vorwerfen – zumal das Thema auf den Handkarten mit den reich geschmückten Tieren liebevoll umgesetzt ist. Die unterschiedlichen Königreiche entsprechen unterschiedlichen Lebensräumen. Damit bekommen wir den Zusammenhang irgendwie hin, auch wenn es sicherlich keinen näheren Zusammenhang zwischen dem in der Steppe ausgespielten Polarfuchs gibt…

Ein rundes Ding

Abgesehen von dieser leicht hinkenden thematischen Einbettung ist Animal Kingdoms ein wirklich gutes, interessantes und solides Spiel auf Familien-Niveau. Da der Einstieg leicht gelingt und die Regeln überschaubar und schnell verstanden sind, sind alle vom Wenig- bis hin zum Vielspieler Zielgruppe dieses Spiels. Ja, auch für Vielspieler ist das Spiel nicht uninteressant, denn es stellt die Spielenden in jedem Spielzug vor interessante Entscheidungen, die je nach Spielerfahrung schneller oder langsamer getroffen werden. Wie lange der Spielreiz bei erfahrenen Spielern hält, kann ich natürlich nicht vorhersagen. Da in jedem Spiel aber die Kombinationen der Gesetzeskarten andere sind, ist jedoch immer wieder Abwechslung geboten.

Überschaubare Optionen

Die drei Aktionsmöglichkeiten sind überschaubar und in der Hauptsache wird man die Option des Karteausspielens nutzen, um möglichst viele Schilde in das Rennen um die Gebietsmehrheiten zu schicken. Da in jedem Königreich andere Regeln für das Ausspielen der Karten gelten, ist es aber auch nicht immer möglich, eine der vier Handkarten auszuspielen. Die Bedingungen können einen schon einmal dazu zwingen, die Karten zu tauschen, damit man wieder handlungsfähig wird. Wenigstens erhält man dafür einen Trostpunkt. Handkarten tauschen wird man nämlich vermutlich nur selten, weil man dann eine wichtige Chance verpasst, eines seiner Schilde zu platzieren.

Pokern um Kronenfelder

Auch das Aussteigen als Option werden die meisten Spieler:innen bis zum Ende der Runde vor sich herschieben, da man dann ja nicht mehr aktiv ins Spielgeschehen der Runde eingreifen kann. Das Aussteigen erweist sich daher zum Ende der Runde hin als interessantes Pokerspiel:

Alle Spieler sondieren permanent die Mehrheiten in den Königreichen und schauen, wo sie noch die Mehrheit erreichen können. Da gilt es abzuwägen: Setze ich mich nun auf eines der Kronenfelder, weil es mir die sichere Mehrheit bringt oder bleibe ich länger im Spiel und versuche mein Glück noch woanders im Mehrheitenbattle? Da man Kronenfelder erst nutzen darf, wenn alle andere Felder des Königreiches besetzt sind, erhalten sie eine besondere Bedeutung. Oft ist auch das hier platzierte Schild das Zünglein an der Waage, um die Mehrheit in die ein oder andere Richtung entscheidend zu beeinflussen. Und in der nächsten Runde gibt der hier platzierte Schild noch einen wichtigen Startvorteil, da es auf ein Thronfeld gesetzt wird und im Gegensatz zu den anderen Schilden nicht abgeräumt wird.  

Und dann wird gekämpft

Ein auf dem Kronenfeld platzierter Schild muss nicht zwingend bedeuten, dass der Spielende damit die Mehrheit des Königreichs erreicht. Auf diese Weise kann auch ein Gleichstand erzielt werden. Und dann wird es spannend, welche Handkarten wir bis zum Ende der Runde noch auf der Hand behalten haben: Ist man in einer aussichtsreichen Position, um einen Kampf für sich zu entscheiden? 

Die „Kampfregelung“ von Animal Kingdoms ist auch ein interessanter Kniff. Man sollte bis zum Rundende noch hohe Karten auf der Hand halten, um im Kampf zu punkten. Die Spielenden mit Gleichstand spielen verdeckt eine Karte und dann wird aufgedeckt. Am besten spielt man unserer Erfahrung nach eine 7, denn die 8 kann noch von einer gegnerischen 1 gekontert werden. Diesen Kniff, den der ein oder die andere vielleicht aus Arboretum kennt, lässt einen bis zum Ende des Kampfes in einer gewollten Unsicherheit, ob das mit der Mehrheit wirklich etwas werden wird.

Hin und her und manchmal etwas unberechenbar

Jede Runde von Animal Kingdoms kann anders verlaufen. Eine Runde läuft sehr gut, die nächste Runde verläuft suboptimal und irgendwie gelingt es einem gar nicht, irgendwo eine klare Mehrheit für sich zu erarbeiten. Das hat immer auch ein wenig mit dem Handkartenglück zu tun, obwohl man auch oft durch die gegenseitigen Bedingungen der Gesetze die Möglichkeit hat, sich selber Vorlagen zu schaffen. Der Spielverlauf geht rauf und runter und macht das Spiel meistens spannend bis zur letzten Runde. Hin und wieder sind auch die Bonuspunkte, die man bei Rundende durch das erste Ausscheiden erhalten hat, ausschlaggebend, wenn sie bei Spielende aufgedeckt werden. 

Neue Spieler:innen bitte informieren

Erfahrene Spieler:innen haben einen Vorteil, wenn es um die Beurteilung mancher ausliegender Gesetze geht. Hier finde ich es wichtig, ggf. mitspielende Neulinge darauf hinzuweisen, dass Gesetze wie „Keine ausliegende Tierart“ die Gefahr bergen, dass man in dieses Königreich schnell keine Karten mehr wird legen können. Damit es zum Ende der Runde mit passenden Handkarten nicht eng wird, sollte man hier früh Karten abspielen, bevor in den anderen Königreichen bereits nahezu alle Tierarten vorkommen. Hiervon gibt es aber nicht allzu viele Karten und wenn man darauf hinweist, haben alle Spielenden auch die gleichen Voraussetzungen.

Sweet Spot und Egon

Ich hab das Spiel in allen Spieler:innenzahlen außer solo gespielt und es funktioniert für mich am besten ab drei Mitspielenden. Zu Zweit gibt es zwar die Option, mit Egon, dem imaginären Mitspieler, zu spielen, aber ich mag diese Regelungen mit imaginären Dritten wegen des Verwaltungsaufwandes meist nicht. Ob es hier anders ist, kann ich aber nicht beurteilen. Auf jeden Fall ist der Spielreiz für mich in Gruppen von drei bis fünf Spielenden am höchsten.


Zusammenfassung

Animal Kingdoms ist ein Spiel um Gebietsmehrheiten auf Familienniveau, was aber in allen Runden gut funktionieren kann, da es die Spielenden immer wieder von interessante Entscheidungen stellt. Die Regeln sind dabei überschaubar und leicht verständlich, so dass das Spiel sehr einfach zugänglich ist.

Durch die immer wieder unterschiedliche Auslage an Bedingungskarten ist Varianz enthalten, die jedes Spiel ein wenig anders gestaltet. Animal Kingdoms ist ein Spiel auf leichtem Niveau, von dem man nicht zu viel erwarten sollte. Tut man das nicht , macht es seine Sache richtig gut: Es weiß zu unterhalten, hat Spannungsmomente und fordert kluge Entscheidungen. Daher bekommt es gerade noch so ein 

  • Niedrige Einstiegshürde, leicht erklärt, sehr zugänglich
  • Flottes Spieltempo
  • Schöne kleine Bedingungen und Kniffe, die sich durch die Gesetzeskarten ergeben können
  • Macht nicht viel neu
  • Thema etwas aufgesetzt
  • Glückslastig

Aus meiner Spielerperspektive: Animal Kingdoms ist sicher kein Spiel, das ich mehrmals oder abendfüllend spielen möchte. Aber ich würde auch keine Partie ablehnen und in gemischten oder Familienrunden kann man es immer in die Auswahl nehmen und vorschlagen, denn es ist auch für Vielspieler nicht „langweilig“.  Wenn ein leichtes Spiel das schafft, finde ich das immer sehr lobenswert und freue mich, dass es die Sammlung bereichert.

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