Kartenablegespiele gibt es gefühlt wie Sand am Meer. Es erscheinen immer wieder neue Versionen auf dem Markt, die das Erbe von Skip-Bo und Co. antreten möchten.
Schmidt Spiele wirft mit Clear 4 nun seine Variante in den Ring, die ich mir mal genauer angeschaut habe.
Tanja

In Clear 4 haben wir die Aufgabe, alle eigenen Karten abzulegen/loszuwerden – dann gewinnt man sofort. Jede:r Mitspielende erhält 20 Karten, die nach einem vorgegebenen System vorbereitet werden: 4 Karten werden verdeckt und quer vor jedem Mitspielenden abgelegt. Auf jede dieser Karten wird im Anschluss zuerst eine verdeckte und etwas versetzt eine offene Karte hochkant abgelegt. Jeder dieser vier Stapel besteht also aus drei Karten, die restlichen acht Karten nimmt man auf die Hand.
Es gibt Karten mit den Werten von 1 bis 10. Zusätzlich gibt es noch Jokerkarten, die den Zahlenwert der mit ihnen ausgespielten Karte annehmen.
In meinem Spielzug habe ich nun die Wahl aus drei Optionen:
- Zahlenkarte spielen: Entscheide ich mich dafür Karten auszuspielen, kann ich dies mit bis zu vier Karten desselben Zahlenwertes tun. Nach der vierten Karte eines Wertes wird der gesamte Ablagestapel immer abgeräumt und ich darf neu aufspielen. Liegen bereits Karten im Spielbereich, kann ich denselben Zahlenwert ausspielen oder einen Zahlenwert, der darunter liegt.
- Sonderkarte spielen: Bei den Sonderkarten gibt es zwei unterschiedliche Aktionskarten.
Push-Karte: Ich spiele sie einzeln aus. Zahlenwerte, die bereits auf dem Ablagestapel liegen, sind dabei irrelevant. Dann wähle ich eine Person aus, die den gesamten Ablagestapel auf die Hand nehmen muss. Die Push-Karte wird in die Schachtel zurückgelegt.
Clear-Karte: Ich spiele auch diese Karte einzeln aus, unabhängig davon, was auf dem Ablagestapel liegt. Der Ablagestapel wird dann abgeräumt. Im Anschluss habe ich einen weiteren Spielzug.
- “Passen” ist die dritte Option, die mir zur Verfügung steht. Kann oder will ich keine Karte spielen, passe ich und muss dann den gesamten Ablagestapel auf die Hand nehmen. Mein Zug ist dann beendet, ich bin aber weiter im Spiel.
Offene Karten auf den vor mir ausliegenden Stapeln kann ich jederzeit spielen, sie gehören quasi zu meiner Kartenhand.
Spiele ich eine hochkant ausliegende, verdeckte Karte frei, darf ich sie sofort umdrehen und direkt spielen, wenn sie den gleichen Wert hat wie meine bereits ausgespielten Karten.
Die quer ausliegenden Karten werden nicht sofort umgedreht, sondern erst, wenn ich mich dazu entschließe, sie zu spielen. Ich weiß also erst beim Aufdecken, welcher Zahlenwert sich darunter befindet.
Sobald es jemandem gelingt, seine gesamten Karten loszuwerden, also sowohl die Karten in der persönlichen Auslage, als auch die von der Hand, endet das Spiel und diese Person gewinnt Clear 4.
Brettspiel Regeln
Spielregeln (ext. Link zu Schmidt Spiele)


Meine erste Partie Clear 4 habe ich auf der Messe Essen gespielt. Wir haben uns an einen Tisch gesetzt, wo sich gerade zwei Besucher:innenn die Regel selbst erarbeitet haben und gefragt, ob wir mitspielen können. Ich wollte das Spiel unbedingt einmal ausprobieren, da es mich an den Klassiker Skip Bo erinnert hat.
Vielleicht lag es daran, dass der Tag schon zur Neige ging und die Konzentrationsfähigkeit der Müdigkeit wich, aber ich kam irgendwie nicht richtig rein ins Spiel und die Regeln. Ich bekam keinen richtigen Zugang und ich strich das Spiel schon gedanklich von meiner Liste. Glücklicherweise wollte Carina dem Spiel aber eine zweite Chance geben und wir haben es dann einige Tage später in Ruhe zu Hause noch einmal auf den Tisch gebracht.
Alles im Auge behalten
Und was soll ich sagen: Es hat mich überzeugt, denn Clear 4 ist taktischer als man denkt. Ich versuche natürlich schnell und möglichst effizient meine Handkarten loszuwerden. Schön ist es, wenn man vier Karten des gleichen Zahlenwertes ausspielen oder bereits ausliegende Karten um weitere ergänzen kann, um so einen weiteren Spielzug zu erhalten. Man sollte die ausliegenden Stapel dabei immer mit im Auge behalten: Sowohl die eigenen, um passende offene Karten aus- und dadurch verdeckte Karten freizuspielen, als auch die der unmittelbar nach mir spielenden Person. Schließlich möchte ich keinen Zahlenwert ablegen, der als Vorlage dient, die ausliegenden offenen Karten des Gegners zu reduzieren.
Ärgerfaktor Sonderkarte
Spiele ich hohe Werte aus, um diese loszuwerden, damit sie mir später nicht im Weg sind, ebne ich den Weg für andere, ebenfalls hohe Karten abzuwerfen. Spiele ich schnell kleine Werte aus, dann provoziere ich, dass meine Mitspielenden vielleicht passen und so den Ablagestapel einsacken müssen. Tja, wenn es da nicht die zwei Sonderkarten geben würde, die den ganzen strategischen Überlegungen den Garaus machen könnten. Möchte ich meine Konkurrent:innen ärgern, spiele ich eine Push-Karte zur rechten Zeit und wichtle den Ablagestapel der Person zu, die die wenigsten Karten besitzt. Das Ende der Partie rückt in weite Ferne, zumindest für diesen Mitspielenden.
Überraschungseffekt
Die Clear-Karte kann mich selbst davor bewahren, passen zu müssen und ich darf direkt neu aufspielen. Dies ist immer ein guter Zeitpunkt, um die quer und verdeckt liegenden Karten ins Spiel zu bringen. Da ich nicht weiß, was sich unter dieser Karte für ein Wert verbirgt, kann ich diese dann recht entspannt aufspielen.
Muss ich sie jedoch aufdecken, weil ich keine anderen mehr spielen kann, ist das Risiko hoch, den Ablagestapel zu kassieren, wenn die Zahl höher ist als der ausliegende Zahlenwert. Manches Mal ist es daher auch clever, im richtigen Zeitpunkt zu passen, den Stapel in Kauf zu nehmen und so an wenige Karten und vielleicht gute Zahlenwerte zu kommen.
Zocke ich aber und decke die verdeckt liegende Karte in einem “riskanten” Moment auf und der Zahlenwert passt, erlebt man echte Emotionen am Tisch. Erringt man damit sogar den Sieg, ist der Jubel groß!
Glück und Taktik
Man kann also durchaus taktisch spielen und sehr schnell durch clevere Kombination der Handkarten und vor sich liegenden Stapel die Anzahl der Karten reduzieren. Eine Portion Glück gehört natürlich auch dazu. Die Sonderkarten sorgen für zusätzliche Würze im Spiel, indem man zum Beispiel einer Person am Tisch, die vielleicht in einem der nächsten Züge Schluss machen könnte, durch eine Push-Karte den kompletten Ablagestapel rüberschieben kann. So ist nie klar, wer am Ende das Spiel gewinnt.
Abschließend noch zwei Anmerkungen:
Das Erklärvideo, das man über einen QR-Code in den Spielregeln leicht erreichen kann, erklärt in ca. 7 Minuten gut verständlich alle Regeln von Clear 4.
Ein wenig irreführend ist in den gedruckten Spielregeln die Abbildung für den Spielaufbau, da hier nur vier Handkarten pro Person dargestellt sind. Das könnte nach einer längeren Spielpause und einem nur kurzen Blick in die Regeln zu einer falschen Startaufstellung führen.

- Flott gespieltes Kartenablegespiel mit neuem Kniff
- Taktischer als vermutet
- Kurzweilig und auch zu zweit gut spielbar
Bei diesem so simpel anmutenden und schnell gespielten Kartenablegespiel gilt es viele Kleinigkeiten zu bedenken oder abzuwägen und das erzeugt mehr Spieltiefe als man vermutet. Die Sonderkarten bringen eine gute Portion Glück ins Spiel und führen immer wieder zu emotionalen Ausbrüchen am Tisch.
Auch wenn es optisch an die 90er Jahre erinnert, verbirgt sich hinter Clear 4 eine reizvolle neue Variante seines Genres und löst bei mir Klassiker wie Skip-Bo endgültig ab.
Clear 4 ist ein schönes Familienspiel, das auch Vielspielende durchaus reizvoll finden können, da es sich zum Beispiel als Feierabendspiel unter der Woche oder als Absacker sehr gut eignet.
Eine Partie ist schnell gespielt, daher bleibt es meistens nicht bei einer.



AUTOR: Joe & Christine Ward
ARTIST: Kinetic, Leon Schiffer
VERLAG: Schmidt Spiele
ERSCHEINUNGSJAHR: 2025

2-6 Spielende
8 Jahre
15 Min.









Gestern gekauft, heute gespielt – und für super befunden! Neben der Schachtelgröße möchte ich noch die Klebepunkte bemängeln, die sich überhaupt nicht ablösen lassen, ohne die Schachtel zu beschädigen. Wäre schön, wenn das häufiger an Schmidt-Spiele gemeldet wird, gibt schliesslich Klebepunkte von anderen Herstellern, die gut ablösbar sind.
Ja, die Klebepunkte sind furchtbar. Auch bei Kavango und Gardlings schlimm anzusehen.
Aber schön, dass es bei euch gut ankommt. Freut mich. 😊
Beim Thema Schachtelgröße und Klebepunkte bin ich derselben Meinung.
Ich habe es gestern erstmals zu dritt gespielt und es kam super an!!!
Schön, dass es gut ankommt. Ich werde es vielleicht am Wochenende auch mal mit meiner Mutter ausprobieren. Und das Thema Schachtelgröße und Klebepunkte wird uns bestimmt auch in Zukunft noch beschäftigen.