Waldland war eines meiner heiß erwarteten Brettspiele der SPIEL 25. Das 2-Personen-Spiel dieser Spielfamilie, Baumkronen, das bei KOSMOS erschienen war, gefällt mir gut und so war ich mit einer gewissen Erwartungshaltung unterwegs, als die große Brettspiel-Variante angekündigt wurde.
Aber wie das nun mal so ist, wenn Erwartungshaltung auf Realität trifft: Das geht schonmal auseinander – und so ist es auch diesmal. Warum ich mit Waldland nicht so glücklich werde, berichte ich Euch im Folgenden.
Carina

In Waldland versuchen wir über 3 Runden bzw. Saisons ein gesundes und ausgewogenes Ökosystem aufzubauen, Pflanzen und Tiere anzusiedeln, hohe Bäume wachsen zu lassen und Bedrohungen abzuwehren.
Wenn wir an der Reihe sind, dürfen wir nacheinander Karten von bis zu drei Sammelplätzen durchforsten. Bei jedem Sammelplatz entscheiden wir, die Karten zu nehmen oder nicht nehmen. Nehmen wir die Karten nicht, wächst der Stapel auf dem Sammelplatz und wird für nachfolgende Personen größer und attraktiver. Nehmen wir die Karten, spielen wir die Waldkarten in unsere eigene Auslage.
Wir sammeln Pflanzen, Wetterkarten, und ggf. auch Bedrohungen in der Auslage. Mit Baumkarten können wir die Bäume auf unserem eigenen Waldtableau wachsen lassen. Wir können sie auf Kreuzungen in unserem Wegenetz wachsen lassen, damit wir zwischen den Bäumen liegende Bonusplättchen freischalten können. Mit ihnen können wir beispielsweise die Sets unserer Pflanzenkarten vergrößern oder das Wetter in eine bestimmte Richtung beeinflussen.
Am Ende einer jeden Saison gibt es eine Wertung der höchsten Bäume und auch alle Pflanzensets, die wir in dieser Runde gesammelt haben, werden ausgezählt. Auch die Wetterkarten beeinflussen Wertungen positiv, während Bedrohungen wie z.B. der Waldbrand negative Auswirkungen haben.
Neben den Pflanzen spielen auch Tiere eine Rolle in unserem Ökosystem. Zu Beginn erhalten wir alle ein Starttier, das wir einmal je Saison einsetzen können. Zusätzlich können wir – ausreichend Nahrung vorausgesetzt – zu Beginn unseres Zuges weitere Tiere aus der Auslage anlocken. Tiere bringen entweder am Rundenende für bestimmte Bedingungen Punkte, haben besondere Fähigkeiten, die man während des Spiels nutzen kann oder bringen einfach eine fixe Anzahl Punkte ein. Mehrere Tiere einer Sorte führen ebenfalls zu Extrapunkten. Ebenso das Erreichen eines Tierkreislaufs über bestimmte Symbole auf den Karten.
Wer am Ende der 3. Saison die meisten Punkte erzielt hat, gewinnt Waldland.
Brettspiel Regeln
Spielregeln (ext. Link zu Piatnik)


Für eine Partie Waldland sollte man für vollen Spielgenuss in der richtigen Stimmung sein: Mit der entsprechenden inneren Einstellung für Zeit, Muße und mit Zen-artiger Gelassenheit ist man hier vollkommen richtig. Diejenigen wird es nicht stören, dass man eine Menge Verwaltungsaufwand hat, sich die Zeit nehmen muss, an alles Mögliche zu denken und immer mal wieder etwas nachlesen muss. Wenn man mit der gewissen Entspanntheit an das Spiel geht und sich in jedem Spielzug an der tollen Aufmachung erfreuen kann und dabei das ruhig vor sich hinplätschernde Spielgeschehen genießen kann: Hey! Hier bist Du richtig.
Anschauen, abwägen, weglegen ….
Beim Einstieg hilft auch das eingängige Spielprinzip: Kartensammelplatz durchsuchen, entscheiden “Nehmen“ oder „Wieder weglegen“ und ggf. den nächsten Stapel durchsuchen. Das ist nicht schwer zu verstehen und kann auch in der ersten Partie mit neuen Mitspielenden sehr gut erklärerisch begleitet werden. Und das ist auch notwendig, denn es ist sehr viel los auf dem Tisch, was anfänglich die Übersicht nimmt: Zwischen uns sowie in der Mitte die Sammelplätze mit der Kartenauslage, der Nachziehstapel, der Stapel mit den Karten, die man ggf. bei Rundenende braucht, die allgemeine Auslage mit den Tieren, die eigenen Tableaus mit Bäumen und Bonusplättchen, die eigene Kartenauslage mit den unterschiedlichsten Sets aus Pflanzen, die wir sammeln, die eigene Auslage mit den Tieren und die Boxen mit den Baumteilen.
Und immer schön nachlegen!
Bei all dem Material wird schnell auffallen: Irgendwas vergisst man doch immer in so einer Partie! Meist ist es, zu Beginn seines Zuges ein Tier anzulocken – das ist zumindest uns häufig geschehen.
Was sonst noch häufig vergessen wird ist das Nachlegen von Karten, wenn sich jemand die Karten eines Sammelplatzes genommen hat. Das zieht sich ein wenig durch bei Waldland: Die Fehleranfälligkeit aufgrund des hohen Verwaltungsaufwandes – es ist unserer Erfahrung nach am besten, wenn eine Person im Spiel dafür zuständig ist, die Karten auf den Sammelplätzen nachzulegen. Das sollte am besten eine spielerfahrene Person sein, die es nicht so stört, dass sie dadurch immer wieder aus seinen Planungen gerissen wird.

Entscheid Dich mal schneller
Hat man keine Neulinge am Tisch und kennen alle die Fähigkeiten der Karten ein wenig, ist das Spieltempo flott. Karten angucken, Entscheidung pro oder contra Stapel treffen, Karten nehmen und auslegen oder nächsten Sammelplatz ansteuern. Wenn man da einen Grübler dabeihat, ist das Stapel-Durchschauen der anderen schwer auszuhalten und es entwickeln sich Längen, die das Spiel langatmig werden lassen. Auch wenn keine Grübler dabei sind: Schauen die drei anderen Personen in einer Vierer-Partie alle drei Stapel durch und Wägen auch nur kurz ihre Optionen ab, dauert es eine Zeit, bis man wieder an der Reihe ist. Und in der Zwischenzeit kann man nur wenig über seinen nächsten Zug nachdenken, da man für konkrete Planungen die Karten in den Stapeln sehen müsste. Man kann sich nur die Zeit damit vertreiben, zu erinnern was, in den einzelnen Stapeln zu finden war…
Höhepunkte?
Menschen, bei denen ordentlich was passieren muss im Spiel, werden den Spielablauf von Waldland langatmig und langweilig finden. Es passiert auch nicht viel. Aber die Natur ist kein Actionfilm. Wer Höhepunkte im Spiel braucht, sollte Waldland lassen. Es eignet sich eher für Genießer, die ein gemütliches, ruhiges Spieltempo zu schätzen wissen. Oder die sich am Spielmaterial und der Gestaltung erfreuen können. Die Gestaltung von Waldland spricht viele Menschen an. Vincent Dutrait ist halt ne Bank. Schön gestaltete Bäume, Karten, Tableaus und Abbildungen, praktische Aufbewahrungselemente, Übersichtskarten für den Spielzug, Glossar. Das ist alles sehr ansprechend, das lässt sich nicht leugnen.
Lauter Tiere mit Fähigkeiten
Auch wenn die Tierkarten und -plättchen schön gestaltet sind, bin ich mit den Tierkarten in diesem Spiel gar nicht glücklich: Die Spezialfähigkeit der Tiere wurde in unseren Partien selten genutzt und meistens sogar vergessen. Leicht verliert man auch den Überblick über die Funktion der Tiere, sobald man mehrere davon hat. Man muss immer wieder nachlesen und überlegen, ob der Einsatz jetzt Sinn machen würde und hat in der nächsten Runde doch schon wieder vergessen, wofür das Tier nütze war. Auch das Sammeln der Elementsymbole nebeneinander ist sehr aufwendig und bringt doch bei Spielende gar nicht so viel ein. Es müssen erstmal die richtigen Symbole in der Auslage liegen, wenn man an der Reihe ist, und dann muss man zur rechten Zeit auch die Nahrung dafür haben, um die Tierkarten überhaupt „anlocken“ zu können. Und die Ausbeute ist dürftig.
Die Fähigkeiten, die die Starttiere haben, sind bewusst „interaktiv“ gewählt. Aber die Effekte sind sehr störend, weil sie häufig auch Verwaltungsaufwand verlangen. Diese größtenteils destruktive Fähigkeiten der Tiere passen m.E. auch nicht zur Stimmung des Spiels. Ich empfinde es ein wenig als „gezwungene“ Interaktion, die man hätte weglassen können. Die anderen Tier-Effekte finde ich hilfreich.
Was ich sonst noch anmerken möchte:
- Waldland würde ich künftig nur zu dritt spielen. Zu zweit werde ich immer das bei Kosmos erschienene Baumkronen bevorzugen, das das Spielprinzip besser und knackiger ohne großen Firlefanz auf den Punkt bringt. Zu viert wäre mir Waldland immer zu lang aufgrund der langen Entscheidungswege. Da verlässt mich persönlich einfach die Geduld.
- Die Punkteleiste auf dem Spieltableau hätte mit ausgestanzten Feldern für die Marker arbeiten sollen. So schnell verrutscht einem ein Baum und dann haut man die Wertungsmarker weg und weiß nicht mehr, wie der Punktestand war. Das passiert so schnell und ist wirklich ärgerlich.
- Wir haben häufig Karteneffekte nachgelesen und Funktionen erörtert, die nicht ganz eindeutig waren. Die Tiereffekte sind zwar liebevoll vielfältig ausgedacht, aber in der Menge auch ein wenig überfordernd.
- Schön ist hingegen, dass die Tierauslage zu jeder Saison ausgetauscht wird und auch die Tiere wieder eingemischt werden, die gerade bereits dort lagen.

- Tolle Gestaltung aller Spielelemente und Abbildungen
- Einfaches, zugängliches Spielprinzip
- Optimal für Liebhaber von Spielen mit ruhigem, entspanntem Spieltempo
Waldland ist ein Spiel, das von seiner Gestaltung lebt und profitiert. Es eignet sich gut für Spielästheten, die zudem Freude an Spielen mit entspanntem, ruhigen Spielfluss haben. In Waldland entsteht nach und nach ein Ökosystem, das wir in jeder Saison neu optimieren und zu Punktereichtum führen wollen.
Wer sich nicht an einem hohen Verwaltungsaufwand durch Kartennachlegen, Mischen und Aufräumen zwischen den Runden stört, auch entspannt Kartenfunktionen nachliest und sorgsam mit Spielmaterial umgehen kann, damit nichts verrutscht, hat an Waldland sicher viel Freude. Andere könnten die Höhepunkte im Spiel vermissen und sich an langen Grübelphasen der Mitspielenden stören.
Auch für mich wurden die Erwartungen, die ich an Waldland hatte, leider nicht erfüllt. Ich werde für meinen Teil bei Baumkronen – der 2-Personen-Variante – bleiben, die das Spielprinzip ähnlich, aber entschlackter und knackiger in sich vereint.



AUTOR: Tim Eisner
ARTIST: Vincent Dutrait
VERLAG: Piatnik
ERSCHEINUNGSJAHR: 2025

1-4 Spielende
10 Jahre
45-60 Min.







