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Riffwelten – REVIEW | Rezension Brettspiel

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Die Unterwasserwelt ist längst kein innovatives Spielethema mehr. Was haben wir da nicht schon alles gesehen und an Ökosystemen gebaut! Wenn ein Spiel mit diesem Thema noch auffallen möchte, muss es schon etwas zu bieten haben…

Und was hat nun Riffwelten, was andere nicht haben? Zum einen hat es eines der schönsten Cover der letzten Zeit. Zum anderen ist es richtig gut designt und greift ganz hervorragend ineinander. Aber ich möchte nicht vorgreifen. Fangen wir mal vorne an:

Carina


In Riffwelten ist es unsere Aufgabe, unser Riff in ein blühendes Ökosystem zu verwandeln. Dazu siedeln wir Korallen, Fische und andere Riffbewohner auf unserem Tableau an. Erfüllen wir die Anforderungen dieser Lebewesen erhalten wir bei Spielende dafür Punkte. 

Korallen, Fische und Riffbewohner erhalten wir über eine offene Auslage, jeweils 5 von ihnen stehen zur Verfügung. Wir dürfen immer eine benachbarte Kombination aus einem Fisch und einer Koralle oder einem Fisch und einem Riffbewohner zu uns nehmen und auf unser Tableau einpuzzeln. Korallen und Riffbewohner sind Plättchen, die wir angrenzend aneinander platzieren dürfen, Fische legen wir auf Schnittpunkte dazwischen. Alle Plättchen liegen zunächst auf der Rückseite, bis die Anforderungen erfüllt sind. Danach gelten sie als abgeschlossen und dürfen auf die Vorderseite gedreht werden. 

Korallen werden dadurch abgeschlossen, dass Fische an den Ecken platziert werden, die mit den farbigen Markierungen auf dem Plättchen übereinstimmen. Sind Korallen mit den entsprechend gewünschten Fischen umgeben, drehen wir sie um und platzieren auf ihnen einen der umgebenden Fische. 

Riffbewohner stellen bestimmte Anforderungen an Korallen oder Riffe, die sie umgeben. Sind die entsprechenden Bedingungen erfüllt, so werden auch sie umgedreht und gelten als abgeschlossen.

Schließen wir Korallen oder Riffbewohner ab, erhalten wir dafür jeweils eine Muschel. Diese sind nützlich, da sie den Austausch von Reihen in der Auslage bewirken oder dazu führen, dass wir nicht benachbarte Kombinationen aus der Auslage nehmen dürfen. Ebenso können wir die Position von bereits auf unserem Tableau platzierten Fischen nachträglich noch einmal verändern. Auf diese Weise tragen Fische mehrfach zum Entstehen von Korallen bei. Fische bringen bei Spielende aber auch Punkte für benachbarte abgeschlossene Korallen.

Neben diesen Punktebringern liegen noch zwei Ökosystemkarten aus, die Vorgaben für ein optimales Zusammenleben im Riff geben. Erfüllen wir die Bedingungen, trägt dies zur Punktewertung bei. Das Spiel endet, wenn nur noch vier Plätze auf unserem Rifftableau frei sind. Nach Auswertung gewinnt Riffwelten, wer die meisten Punkte erzielen konnte.

Die Nistzeit-Erweiterung fügt dem Spiel zahlreiche weitere Riffbewohner und weitere Ökosystemkarten hinzu sowie Korallenplättchen, die teilweise weiße Ecken haben, an denen beliebige Fischfarben platziert werden können. Zudem kommt die Schildkröteninsel ins Spiel, die drei Spielziele anzeigt. Wer diese Ziele als erstes erreicht, darf einen seiner Schildkrötenmarker hier platzieren und erhält die höchste Punktzahl, die diesem Ziel zugeordnet ist. 

Die Mini-Erweiterung Gefährdete Fische bringt neue Ökosystemkarten ins Spiel sowie vier Fische, die als gefährdete Arten nochmal neue Anforderungen an unser Riff stellen.

Brettspiel Regeln

Spielregeln (ext. Link zu Strohmann Games)


Ist Riffwelten wirklich „Cascadia- das Kennerspiel“, wie manche behaupten? Nun ja, die Anordnung der Auslage und der Auswahlmechanismus der Plättchen und Fische erinnert stark daran, ebenso die Aufgaben, die die Riffbewohner an die Platzierung von Plättchen und Fischen stellen. Hier gibt es klare Vorgaben, die man in Riffwelten allerdings individuell wählen kann und nicht für alle gleich vorgegeben sind. In unseren Riffen hat jede Koralle, jeder Fisch, jeder weitere Riffbewohner daher seine feste Bestimmung und trägt dazu bei, dass das Gesamtkonzept möglichst stimmig – also punkteträchtig – wird. Und das ist eine sehr schöne Planungsaufgabe, die gerne von manchen als Kennerspiel-Variante von Cascadia eingestuft werden darf, solange sie so eine Freude bereitet. 

Bekanntes Spielkonzept

Zumindest für Spielerinnen und Spieler, die nicht immer nach Innovationen suchen, die gerne Plättchen legen und auf ihrem Tableau ohne große Einmischung der Mitspielenden ihre eigene Riffwelt erschaffen wollen. 

Wer so etwas nicht mag, wird das Spielkonzept als solistisches Puzzeln ohne neue Kniffe bezeichnen. 

Wer so etwas allerdings mag, dem geht bei diesem Spiel das Herz auf. Bei Riffwelten ist in sich alles stimmig, alle Elemente greifen ineinander und sind bestens aufeinander abgestimmt. Hier hakt im Spielablauf nur wenig. Um lange Wartezeiten zu vermeiden, sollte man Riffwelten am besten zu zweit oder dritt spielen, zu viert beäugt man doch länger die Auslage und hofft inständig, dass einem die Pläne, die gewünschten Elemente aus der Auslage zu nehmen, nicht von anderen kaputt gemacht werden. Aber auch, wenn das Gewünschte in ein anderes Riff verschwindet: Irgendwas Sinnvolles kann man immer tun. 

Viel Varianz vorhanden

Und damit das Spielkonzept länger frisch bleibt, bringt das Material sehr viel Varianz mit. Durch die in jeder Partie jeweils unterschiedliche Zusammenstellung der Riffbewohner und Wertungskarten, ist die eigene strategische Ausrichtung immer wieder ein kleines bisschen anders gelagert. Mal liegt der Schwerpunkt auf gleichartigen Korallen und/oder Fischen, mal auf der Anordnung, mal wird Unterschiedlichkeit belohnt.

Die abwechslungsreichen Spielelemente erfordern allerdings in der Spielvorbereitung entsprechend Zeit und Aufwand. Sind die Wertungskarten noch schnell ausgewählt, erfordert die Zusammenstellung der Riffbewohner ein wenig mehr Verwaltung. 

Geordneter Verwaltungsaufwand

Die Sortierung der Riffbewohner-Plättchen in hochwertigen Trays ist eine große Hilfe in Übersicht und Aufbewahrung. Allerdings müssen nach bestimmten Vorgaben aus unterschiedlichen Abschnitten eine bestimmte Anzahl an Plättchen ausgewählt werden. Die Auswahl der Riffbewohner vor dem Spiel mündet nach der Partie in eine weitere Aufgabe: Aufräumen. Erst alle Rifbewohner zusammensammeln, sortieren, und korrekt in die Trays sortieren. Mich stört das nicht, ich finde es löblich, dass alles so gut organisiert wird, kann aber gleichzeitig verstehen, wenn der ein oder die andere bei der Spielvorbereitung über die Aufgabe stöhnt.

Hilfreich ist hier die Lösung, die mit der Erweiterung „Nistzeit“ geboten wird. Da hier sogar noch mehr Riffbewohner ins Spiel kommen, sind diese alle auch als Karten beigefügt, so dass sie immer zufällig gezogen statt bewusst ausgewählt werden können. Tipp: Zudem kann man die ausgewählten Karten auch nutzen, um diese zur Übersicht, welche Wertungsmöglichkeiten im Spiel zur Verfügung stehen, neben dem Spielfeld liegen zu lassen. Die Karten in der Erweiterung erleichtern die zufällige Auswahl, aber auch das Sortieren und Mischen dieser Karten ist ein bisschen aufwändig – ein Aufwand, der Kennerspielern aber zugetraut werden kann, denke ich.

Viele Aufgaben, viele Punkte

Neben den Aufwänden bei der Sortierung geht der sonstige Spielfluss aber sehr flüssig von der Hand. Was man tun kann, ist schnell erklärt. Daher gelingen der Einstieg und die Erklärung meist flott und einfach. Klassischer Fall von easy to learn, hard to master. Denn das Beste aus Korallen, Fischen und Riffbewohnern rauszuholen, ist natürlich die wahre Herausforderung. 

Was in den ersten Partien hemmen kann, ist die Vielzahl der Punktebringer. Die Ziele, für die man Punkte erhält, sind vielfältig: Die Kartenwertung, abgeschlossene Riffbewohner, unterschiedliche Riffbewohner, abgeschlossene Korallen, Fische neben abgeschlossenen Korallen – durch die Erweiterung kommt ggf. noch mit dem Schildkröten-Tableau ein Wettrennen auf weitere Spielziele hinzu. Daher sollte man sich nicht auf alles gleichzeitig konzentrieren, sonst vertändelt man sich leicht, zwischen den ganzen Aufgaben. Man muss schon immer fokussiert bleiben, sonst kann es sein, dass man zu viel auf einmal will und dann gar nichts schafft. 

Hilfreiche Muscheln

Neben den bereits genannten Meeresbewohnern sollten wir die Muscheln nicht vergessen, die wir als Bonus für abgeschlossene Plättchen erhalten. Sie sind superwichtig, um Reihen in der Auslage austauschen zu können oder eine beliebige Paarung aus Fisch und Plättchen zu nehmen. Aber nicht nur das: Mit ihrer Hilfe können wir auch Fische schwimmen lassen. Das ist superwichtig, da man immer das Gefühl hat, davon zu wenige zu haben und mit schwimmenden Fischen schneller Korallen abschließen zu können.

Um Fische zu sparen, sollte man Korallen eh eng nebeneinander bauen, damit man Fische im Doppelnutzen verwenden kann. Aber in den Zwischenraum zwischen den Korallen, wollen wir auch punkteträchtige Riffbewohner ansiedeln. Und schon sind wir mitten im herrlichen Dilemma, das uns Riffwelten zu lösen gibt. 

Manchmal ergibt sich gegen Spielende das Gefühl, nichts effizientes mehr anstellen zu können. Dann sollte man nicht vergessen, dass man Riffbewohner nicht abschließen muss, um für sie Punkte zu erhalten! Man kann daher noch diese Art Plättchen in seine Riff-Auslage spielen, um einen Punkteanteil zu erhalten. Dies muss man in den ersten Partien verinnerlichen, da man es leicht vergisst.

Erweiterung

Mit der Nistzeit-Erweiterung kommen ein schön gestaltetes Schildkrötenboard und entsprechende Marker ins Spiel hinein. Hier werden weitere Punkteziele platziert, bei denen gilt: Wer diese Ziele zuerst schafft, erhält mehr Punkte. Optisch schön – dies zu markieren hätte sich aber auch einfacher mit Karten und kleinen Farbklötzchen lösen lassen. 

Die zusätzlichen Riffbewohner sind reizvoll, aber leider steht die Beschreibungen der Funktionalitäten mitten im Text der Spielregel – da wäre eine Übersichtsseite hilfreicher gewesen. Das Beste an der Erweiterung sind die neuen Korallen mit den weiß markierten Joker-Ecken, die einem viel mehr Flexibilität geben, da hier beliebigfarbene Fische platziert werden können. 

Optik, Spielzeit und Hilfen

Abschließend seien noch drei Punkte erwähnt: 

Hatte ich eigentlich schon erwähnt, wie wunderschön das Spiel gestaltet ist? Nein? Das Spiel ist wunderschön! Ich denke, wer sich das Spielmaterial anschaut, wird schnell verstehen, was ich meine. Ich liebe die kleinen Fischfiguren und muss nach wie vor am Ende jeder Partie mein Tableau fotografieren. Allein das Cover! Und das Cover der Erweiterung! Ach, ich höre auf zu schwärmen…

Die angegebene Spielzeit von 30-45 Minuten ist ein bisschen sportlich. Zu zweit schafft man das Spiel schon ohne Vorbereitungszeit in 30 Minuten, zur dritt oder viert liegt man aber eher bei 50-60 Minuten. 

Ich hätte mir irgendwo eine kleine Karte oder Merkhilfe dafür gewünscht, wie die Muscheln einzusetzen sind. Anfänger benötigen dazu einen Reminder. Ebenso hätte man dort eine Abgrenzung der Begriffe „benachbart“ und „angrenzend“ unterbringen können, die häufig hinterfragt wird. 

  • Eingängiges Spielprinzip mit bekannten Spielelementen, das schnell erlernt ist, aber viel Spieltiefe bietet
  • Vielfältiges Spielmaterial, das längere Zeit Varianz bietet
  • Tolle Gestaltung, vom Hingucker-Cover bis zu den Fischfiguren und Riffbewohner-Plättchen
  • Recht viel Verwaltungsaufwand bei der Zusammenstellung der Riffbewohner
  • Relativ wenig Interaktion, die mit der Erweiterung aber gesteigert werden kann
  • Knackige Übersichten für Muschelaktionen und Symbolerklärungen bei den Riffbewohnern wären schön gewesen

Riffwelten kombiniert viele bekannte Mechanismen zu einem reizvollen neuen Gesamtpaket. Wer beispielsweise Spiele wie Cascadia oder Calico mag, wird schnell in Riffwelten hineinfinden. Durch das Spielmaterial ist dabei über viele Partien Varianz garantiert. Und wer sich dann irgendwann noch weitere Aufgabenstellungen und mehr Komplexität wünscht, kann mit der Erweiterung Nistzeit noch aufsatteln.

Man kann Riffwelten vorwerfen, dass es zu wenig Interaktion bietet und die meiste Zeit des Spiels recht solitär auf dem eigenen Tableau gepuzzelt wird. Gleichzeitig sollte man aber auch das gut durchdachte Spieldesign loben, bei dem alles stimmig ineinandergreift. Auch die Gestaltung des Spiels – vom Cover bis zu den Fischfiguren – trägt einen erheblichen Anteil zu diesem gelungenen Spiel bei, das ich derzeit mindestens einmal wöchentlich auf den Tisch bringen möchte. 

AUTOR: C.W Yeom
ARTIST: Sophia Kang, Hani Chang
VERLAG:
Strohmann Games
ERSCHEINUNGSJAHR: 2026

1-4 Spielende

10 Jahre

30-45 Min.

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