Kategorisierung

brettspielbox themaAus diversen Diskussionen in den letzten Tagen und Wochen und des Diskussionsthemas hier in der Brettspielbox bzgl. der Perspektive von Rezensionen aus dem letzten Jahr, fühle ich mich gewogen, das Thema Kategorisierungen noch einmal aufzuwerfen.

Gerade das Thema Vielspieler = oder ≠ Kenner-/Expertenspieler führt immer wieder zu Verwirrungen.

Spiele sowie Spieler sind in verschiedene Kategorien unterteilbar.

Spieler

Sanduhr, Timer, Gold, Abbildung, ZeitSpieler kann man in unterschiedliche Charakteren (Grübler, Besserwisser, Wütende, Schummler etc.) aber auch nach Art der Häufigkeit des Spielens unterteilen. Letzteres wird gerne verwechselt mit dem Anspruchsniveau, was ein Spiel an seine Spieler stellt. Dabei gibt es unter den Familienspieler genauso viele Spiele, die sehr häufig spielen, wie unter den Strategiespielern.
Ein interessanter Ansatz war die Spieler am Beispiel der Gelegenheitsspieler im Computer-Rollenspiel WoW (“Casuals”) nach den Kategorien Zeit:

  • Zeit – generelle Zeit in Stunden
  • Zeit am Stück – nur mal zwischendurch oder auf für mehrere Stunden
  • geplante Zeit – fest definierte regelmäßige Zeitpunkte

zu unterteilen (Quelle: Jarlskor).

Es gibt sicherlich weitere Kriterien, aber dann bewege ich mich im Bereich der Persönlichkeitsebene und des Charakters des Spielers.

Nichtspieler

Nichtspieler (nicht zu verwechseln mit dem Nichtspieler-Charakter) sind Spieler, die nur sehr selten zum Spiel greifen. Dieses passiert meist in einer passiven Weise, so dass man sich z.B. in einer (geselligen) Runde befindet und zum gemeinsamen Spielen animiert wird. Man tut es den anderen oder der Stimmung zum gefallen. Zum Zeitpunkt des Spiels wird auch meistens Spaß empfunden. Einen inneren Antrieb danach selbst zum Spiel zu greifen und/oder andere dazu zu bewegen, zu spielen, gibt es dennoch nicht.

Gelegenheitsspieler

Der Gelegenheitsspieler verfügt über eine gewisse Basissammlung an Spielen. In der Regel bezieht sich dieses auf das ein oder andere Spiel, was mit dem Spiel des Jahres Preises ausgezeichnet ist. Häufig sind Gelegenheitsspieler eher im Bereich der Famiienspieler anzutreffen sein und bevorzugen leichter zugängliche Spiele. Das Spielen findet im Freundes- oder Familienkreis statt und man zeichnet sich eher dadurch aus, dass man einen festen Satz an “Lieblingsspielen” hat, die immer wieder gerne auf den Tisch kommen.

“Normal”spieler

Gibt es diese Kategorie überhaupt? Habe mich entschlossen sie zu ignorieren.

Vielspieler

Vielspieler zeichnen sich durch regelmäßige Spielen (>3mal pro Monat) aus. Sie sind entweder in privaten Spielrunden oder Spielkreisen unterwegs. Ihr Spielen kann man schon als regelmäßiges, organisiertes Hobby ansehen. Besuche (inkl. intensivere Informationssuche im Vorfeld) bei Messen oder anderen Veranstaltungen runden ihr Interesse ab. Im Laufe des Jahres stellen sie für ihr Hobby ein gewisses finanzielles Budget für Neuerwerbungen bereit. Dabei kann man gerne den geselligen vom Wettkampfspieler unterscheiden. Während erstere eher im familiären Segement zu finden ist, wird der leistungsorientierte Spieler sich häufiger an Herausforderungen im Bereich des Strategiespiels wagen.

Spiele

Genauso kann ich bei Spielen differenzieren. Hier geht es mir in erster Linie um einen Unterschied im Bereich des Anspruchslevels an die Spieler und nicht um eine Unterteilung in Mechanismen und eingesetzten Materialien.

Mechanismen / Materialien

Mechanismen (z.B. Card-Drafting, Bag-Building etc.), Materialien (z.B. Würfel, Karten etc.), Spieleranzahl (Solo, 2 Personen, 2-4 Spieler oder mehr als 5 Spieler) charakterisieren ein Spiel bzgl. seiner Eigenschaften. Anhand dieser verschiedenen Richtungen kann Spiele kategorisieren. Dennoch möchte ich diese nicht weiter betrachten. Mir geht es mehr um den Anspruch den ein Spiel an seine Spieler richtet.

Schwierigkeitslevel beim Spiel

Es gibt einige Unterscheidungen an Spieletypen. So unterscheidet das Spiel des Jahres zum Beispiel in Kinder- (blau), Familien- (rot) und Kennerspiele (anthrazit), bei der Deutschen Mannschaftsmeisterschaft gibt es eine Mischung aus Anspruch und Mechanik: Strategie-, Familien-, Würfel- und Glücksspiel.

Familienspiele

  • “Die im Rahmen des Kritikerpreises “Spiel des Jahres” verliehenen Auszeichnungen sollen das Kulturgut Spiel fördern, den Gedanken des Spielens im Familien- und Freundeskreis beleben und eine Orientierungshilfe im großen Spieleangebot geben.” (Quelle: Spiel des Jahres – Preis)
  • Kategorie 1 (K1): Das Familienspiel - Familienspiele sind Spiele, die eine Mischung aus Strategie und Glück zulassen. Wobei der jeweilige Anteil nicht entscheidend ist, sondern das Zusammenspiel zwischen “Jung” und “Alt”. (Quelle: DM Brettspiel – Regeln)

Häufig wird das Einstiegsalter ab 8 Jahren als Übergang vom Kinder- zum Familienspiel herangezogen. Wobei die Grenzen hier – je nach Spielerfahrung des Kindes – fließend sind. Grundsätzlich zeichnet ein Familienspiel eine leichte zugänglichkeit durch einfache Regeln, eine eher kürzere Spieldauer von unter 1h sowie einer guten Mischung aus Strategie (oder besser Taktik) und Glück aus.

Das Familienspiel steht einer breiteren Masse zu Verfügung, da Einstiegshürden wie Spieldauer, Regelkomplexität, strategischer Anspruch im Spiel relativ niedrig gehalten sind.

Kunst, Zahnräder, Bunte, KreativitätStrategiespiele

Kategorie 2 (K2): Das Strategiespiel - Strategiespiele sind Spiele, deren Ausgang überwiegend von der spielerischen Strategie des Spielers abhängig sind. Der Glücksfaktor spielt hier kaum oder gar keine Rolle. (Quelle: DM Brettspiel – Regeln)

Da es im Bereich der Strategiespiele jedoch nach oben nur wenig Grenzen gibt, unterteile ich diese Spielgruppe noch einmal in Kenner- und Expertenspiele. Vielleicht kann man sich dem Thema über das Begriffspaar kompliziert und komplex, nähern, was ich hier versuche zu definieren (kein wissenschaftlicher Anspruch):

Kompliziert: Es ist zunächst nicht direkt feststellbar, wie Ursache und Wirkung voneinander abhängen. Mittels Anleitung versuchen wir uns das Spiel zu erschließen: Wahrnehmen – Analysieren – Reagieren ist der Dreiklang in dem wir uns in komplizierten Systemen bewegen.

Komplex: Eine Stufe heftiger wird es dagegen, wenn Ursache und Wirkung nicht sofort ersichtbar sind. Hier spielt die Menge an Details sowie die ineinandergreifenden Mechanismen eine Rolle. Der Dreiklang ist eher Probieren – Wahrnehmen – Reagieren. Während der Spielzugang mancher Spiele zunächst eher komplexer Natur ist, wird das Spiel, wenn verstanden, im weiteren Verlauf eher kompliziert.

Kennerspiele

Die Definition für “Das “Kennerspiel des Jahres” soll denjenigen Menschen eine Orientierungshilfe bieten, die schon längere Zeit spielen und Erfahrung beim Erlernen neuer Spiele mitbringen” (Quelle: Spiel des Jahres – Preis) finde ich sehr ausreichend und benötigt keine weitere Ergänzung.

Daher würde ich bei den Kennerspielen eher von komplizierten Spielen sprechen und bei

Expertenspiele

von komplexen Spielen. Für Expertenspiele (keine Sorge ich schreie nicht wieder nach einem Expertenspiel des Jahres) gibt es aktuell keine richtige Definition. Jedoch kann man gerade an der Preisverleihung des Kennerspiels der letzten Jahre erkennen, dass so manch “sehr gutes” Spiel (z.B. Mombasa, Russian Railroads, Arler Erde, Auf den Spuren von Marco Polo) es “nur” in die Auswahlliste geschafft hat, weil es dann doch einer breiteren Masse eher unzugänglich war.

Expertenspiele zeichnen sich aus meiner Sicht durch umfangreiche Spielanleitungen und längere Spieldauer aus. Wie schon bei der Definition zur Komplexität erschließt sich das Spiel erst im Laufe mehrerer Partien. Aus diesem gelernten werden dann für zukünftige Spiele mögliche Strategien abgeleitet. Diese sind nicht eindimensional, da das Expertenspiel eine Bandbreite an möglichen Siegstrategien bereithält. In der Regel ist ein Spiel auch nach mehr als 10 Partien spielerisch nicht vollständig erschlossen. In der Abgrenzung zwischen Experten- und Kennerspiel, ist dieses in den Kennerspielen wesentlich schneller möglich. Auch der Zugang ist einfacher.

FAZIT:

Wenn wir von Gelegenheits- und Vielspielern sprechen, dass ist aus meiner Sicht die Häufigkeit und das Organisiertsein des Spielens das entscheidende und bei Familien- vs. Strategiespielern (in seinen Ausprägungen) das Schwierigkeitslevel des Zugangs bzw. des Spielens Kriterium in der Unterscheidung.

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2 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Toller Artikel! Wobei Kompliziert als Wort makelbehaftet ist, von daher finde ich es etwas ungünstig bei Kennerspielen von kompliziert zu sprechen. Wobei ein Gelgenheitsspieler wohl genau das sagen würde :D

    VA:F [1.9.22_1171]
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  2. Danke für die Erklärversuche.

    Leider erschließt sich mir Deine Logik nicht, es ist meiner Meinung nach viel zu kompliziert gedacht.

    Wobei ich auch beim Thema bin. Kompliziert ist eindeutig negativ konnotiert. Auf dakkadakka habe ich einen sehr schönen Post dazu gelesen. Viele Tabletops gelten sowohl als komplex als auch kompliziert. Idealerweise will ein Spiel aber nur komplex sein.
    Beispiel Warhammer 40k. Das Regelwerk besteht aus hunderten Seiten, dazu gibt es Weitere Zusatzregeln, die das Spiel unglaublich kompliziert machen. Komplex ist es hingegen nur bedingt, da das Grundprinzip des Spiels eigentlich simpel ist und man Spiele eher durch die Auswahl der richtigen Einheiten gewinnt. Prinzip Stein, Schere, Papier.
    X-Wing hingegen hat nur ein paar Seiten Regeln (nicht kompliziert), aber eine unglaubliche Komplexität durch die taktischen Möglichkeiten der Einheiten und durch die Erfahrung der Spieler.

    Kurzum, ein Spiel kann kompliziert sein ohne Komplexität und komplex ohne Kompliziertheit.

    Deine Grafik am Ende verstehe ich leider auch nicht, was ist deren Intention? Ich besitze viele Expertenspiele, einige Kennerspiele und ein paar Familienspiele. Abhängig von der Zusammensetzung der Gruppe spiele ich unterschiedliche Spiele. Ich mag alle von ihnen und spiele in einem Jahr mehr Familien und im anderen mehr Expertenspiele.

    Meiner Erfahrung nach ist das entscheidende Kriterium bei der Spielauswahl häufig wie lange ein Spiel dauert und weniger die Komplexität.

    Danke in jedem Fall für den Denkanstoß

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