Interview mit Martin Schlegel: West of Africa

Während der Ratinger Spieletage konnte ich mit Martin Schlegel ein Interview zu seinem neuen Spiel West of Africa führen, welches gerade bei ADC Blackfire erschienen ist.

Neben West of Africa gehören Aqua Romana noch Atacama und Takamatsu zu seinen bekannteren Werken.

Das Interview

Hallo Martin. Vielen Dank für Deine Zeit
Seit wann entwickelst Du schon Spiele?

Martin Schlegel: etwa seit 1990 habe ich mit dem Spieleerfinden begonnen. Neben Schach habe ich schon immer viel gespielt und wollte dann aber mal selbst was entwickeln.

Was ist für Dich beim Spieleentwickeln wichtig?

Martin Schlegel:  Meistens steige ich über die Mechanik und nicht über ein Thema in ein Spiel ein, bin also eher ein Mechaniker. Kommt von meinen beruflichen Wurzeln aus der Statistik.
Für mich gilt – wie beim Schach: Wenig Regeln – ordentlich Köpfchen. Gemäß Alex Randolph ist ein Spiel erst fertig, wenn man es nicht weiter vereinfachen kann. Daran versuche ich mich zu halten. Dazu kommt mein Bauchgefühl, ob ein Spiel fertig ist oder noch nicht.

In Deiner aktiven Zeit als Autor gelang Dir mit Aqua Romana 2006 der Sprung auf die Liste „Spiel des Jahres“ sowie 2015 der erste Platz beim Hippodice Wettbewerb mit Lancelotto Malocello (jetzt West of Africa). Welcher Erfolg wiegt mehr für Dich?

Martin Schlegel: Das kann ich gar nicht genau sagen. Mich freut es, wenn die Verkaufszahlen stimmen, da der überwiegende Teil der Erlöse zu Gunsten der Kindernothilfe gespendet wird.

west of africa box An dem Spiel West of Africa arbeitest du schon seit 9 Jahren. Warum hat es so lange gedauert, bis das Spiel fertig wurde?

Martin Schlegel: 2007 habe ich mit dem Spiel begonnen und in den ersten beiden Jahren viel daran gearbeitet. Das oben beschriebene Bauchgefühl sagte mir, dass das Spiel noch nicht fertig war. Es fehlte noch der letzte Kick. Dann habe ich das Spiel 5 Jahre in die Ecke gestellt und erst 2013 wieder hervorgeholt. Mit neuen Ideen und Lösungen konnte ich das Spiel dann weiterentwickeln.

Wie lange arbeitest du in der Regeln an einem Spiel?

Martin Schlegel: Etwas mehr als ein Jahr. Da ich an mehreren Spielen gleichzeitig arbeite, lege ich es aber auch immer mal wieder zur Seite und bastel an anderen Prototypen weiter, bis ich wieder zu neuen Ideen komme.

Was macht West of Africa aus und welcher Spielertyp sollte es sich zulegen?

Martin Schlegel: West of Africa ist ein Spiel ohne Glücksfaktor und klar für Strategen. Man hat große Freiheiten im Spiel.

Nimmt man sich wenig vor, klappt dieses in der Regel, aber man kommt nicht so vielen Siegpunkten. Nimmt man sich sehr viel vor, so klappt nicht alles, aber man hat mehr Möglichkeiten im Spiel.
Dazu kommt Doppelfunktion vieler Bestandteile: Zum Beispeil des Geldes als Ressource vs. Siegpunkte oder der Arbeiter, mit denen ich Kosten senken oder sie zur Bestimmung des Alcaldes nutzen kann. Dieser Titel ist auf den Inseln wiederum sehr wichtig, da wir ansonsten nicht bauen können. Zudem bringt er nebenbei auch noch Punkte. Dazu kann ich Inselkarten auch doppelt benutzen.
Es gibt also eine Vielzahl von Möglichkeiten an Siepunkte zu kommen. Aber man braucht bei diesem Spiel auch immer einen Plan B in der Tasche, sonst landet man leicht in der Sackgasse.

west africa mat
Wie intensiv war die Zusammenarbeit mit Uli Blennemann nach dem Gewinn des Hippodice. Wieviel musst noch verändert werden?

Martin Schlegel: Spiel war fast fertig. Habe noch einige Hausaufgaben gehabt. Wir haben Nuancen verfeinert. Das komplette Regelwerk habe ich eher für Redakteure erstellt, diese sind komplett von Uli für die Spieler umgeschrieben worden. Da hat er einfach ein anderes Auge für.

Die Grafiken stammen von Harald Lieske. Hat man als Autor noch Einfluß auf die Grafik?

Martin Schlegel: Grafiken ist nicht meine Baustelle. Nur eine Ausnahme: die Lage von Hierro und La Palma habe ich noch einmal verändert. Aber es ist schon toll, was Harald da gezaubert hat. Meine Frau und ich konnten uns sein Atelier mal aus der Nähe anschauen und er arbeitet neben dem Computer auch noch viel mit Farbe. Macht sich also auch dreckig. Sehr beeindruckend.
Beim Cover hatte ich allerdings den Blick eher auf das Meer gerichtet und mehr weiter gesehen, bin jedoch überstimmt worden („zurecht“, wie seine Frau meint 🙂 ).
Der Punkt auf La Gomera ist dabei dem Nachwuchs von Harald gewidmet. Auch schön, wenn man so etwas einfließen lassen kann.

Was sind aktuell Deine Lieblingsspiele?

Martin Schlegel: Ich spiele Stone Age sehr gerne oder auch neu: Isle of Skye. Aber auch mal Wizard. Das ist sehr unterhaltend. Da kann man auch gut beim Spielen plaudern.

Was könne wir von Dir in 2016 noch erwarten?

Martin Schlegel: Es soll ein Spiel über Luther auf den Markt kommen. Wird in Essen 2016 bei Kosmos herauskommen und ist ein familiäres Laufspiel rund um 12 Wirkungsstätten. Das ganze wird mit viel Infomaterial versehen sein.

Vielen Dank. Weiterhin viel Erfolg beim Spielentwickeln.

Das Interview wurde im Rahmen der Ratinger Spieletage am 19.03.2016 geführt.

VITA
Martin Schlegel, geboren 1946 (Ahlen):
ist leidenschaftlicher Schachspieler und seine Vorliebe für Mathematik und Statistik konnte er in seinem Beruf in der Stadtverwaltung Hagen als wissenschaftlicher Mitarbeiter / später auch als Leiter im Amt für Stadtforschung und Statistik verwirklichen. Spiele entwickelt Martin seit 1990 und ist auf 16 Veröffentlichungen gekommen.

Interviewreihe auf der Brettspielbox: Inka und Markus Brand (Burgenland / Neuheiten 2014) • Ralph Bruhn (Aquasphere) • Hunter & Cron (Gen Con 2015) • Agnieszka Kopera und Andrei Novac (2014) • Michael Menzel (Neuheiten 2014) • Alexander Pfister (Spiel 2015 / Broom Service: Kartenspiel) • Martin Schlegel (West of Africa) • Jamey Stegmaier (Viticulture) • Klaus TeuberWolfgang Kramer

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